| Christian Gottlieb Lieberkühn: Die Lissabonner. Ein bürgerliches Trauerspiel, in einem Aufzuge | |
|
|
Zu süße Hofnung! – Quäle mich nicht mit solchen Vorstellungen. Bist du unmenschlich genug, dadurch mir einen Verlust nachher noch schrecklicher empfinden zu lassen, den du ohnedem nicht leiden könntest, und wenn du ein Engel würdest – Ja eile, Goncallo aber nicht in der Hofnung sie lebendig zu finden, sondern nur mir den Ort zu sagen, wo ich auf ihren erblaßten Körper noch bleicher hinsinken kann, oder (wenn ja das Schicksal gegen mich noch einige Zuneigung behalten hat, und die schwächsten Pfeile auf mich abdrückt,) wo ich ihren letzten Odem mit meinen Lippen auffangen kann – –
Es sey zu welchem Ende es wolle, so gehorche ich Ihnen – Zwar zu traurigen Bothschaften sollte man billig nur die größten Missethäter wählen – Doch warum nehme ich an ihrem Wahn Theil; ich hoffe Ihnen die glücklichste zu bringen. Aber verweilen Sie ja auf diesem Lusthause, wo Sie vielleicht ihres Lebens am meisten versichert sind. Erhalten
Christian Gottlieb Lieberkühn: Die Lissabonner. Ein bürgerliches Trauerspiel, in einem Aufzuge. Meyer, Breslau 1758, Seite 11. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Die_Lissabonner.pdf/5&oldid=- (Version vom 21.8.2025)