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Seite:Die Lissabonner.pdf/7

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daß sie nicht sterben, als daß sie nicht leben konnten, damit ich mir einen Begrif von einer Qual machen könnte, der ich aufgehoben bin! Denn, ach ist Isabelle dahin, so werde ich eine Marter von tausend Sterbenden vereint fühlen, wenn ich ihr auch in wenigen Augenblicken folgen kann – – Ewige Gerichte, habt ihr nicht meinen Tod beschlossen, ach, so werde ich vielleicht in die schreckliche Versuchung gestürzt, zu glauben, daß ihr nur den Unglücklichen ein Leben beschließt. – – Aber nein, wie dieses aus leichten Brettern aufgeführte Haus den wütenden Stößen der unterirrdischen Gewalt widerstand, durch welche doch die festesten Mauern fielen, so kann der Tod nur diejenigen überwältigen, die in ihrem Glücke sicher prangen, und er gehet die vorbey, die von jedem Winde des Kummers hin und her beweget werden. – – Doch wie begehre ich den Tod so schnell, da ich mich vorhin mit der Hofnung des Lebens meiner Isabelle schmeichelte? Welche betrübte Ahndung! Ich habe keine gegründete Ursache ihren Tod zu vermuthen, und dennoch dünkt sie mir unwiederbringlich verloren.

Empfohlene Zitierweise:
Christian Gottlieb Lieberkühn: Die Lissabonner. Ein bürgerliches Trauerspiel, in einem Aufzuge. Meyer, Breslau 1758, Seite 13. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Die_Lissabonner.pdf/7&oldid=- (Version vom 25.7.2025)