Seite:Die Schätze des Wahhabiten.pdf/7

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mir erlaubt, Euch zunächst die Fesseln abzunehmen und Euch zu gestatten, daß Ihr Euch hier innerhalb des Talkessels ungehindert bewegen könnt.“ –

Als Ibrahim nach einer Weile wieder nach den Zelten zurückkehrte, schlenderten Ring und der Doktor, jetzt aller Bande los und ledig, dem Südrande des Tales zu, wo eine Gruppe mächtiger Felstrümmer sich erhob. Hier setzten sie sich zwischen den Granitblöcken, die an dieser Stelle eine Art Hofraum bildeten, auf den harten Steinboden und besprachen leise ihre wenig aussichtsvolle Lage.

„Natürlich hat der braune Halunke uns nur die Fesseln abgenommen“, erklärte der Ingenieur, „damit wir glauben sollen, Ibrahim meine es wirklich gut mit uns. Da das Geheimnis uns durch Gewalt nicht entlockt werden kann, versucht der listige Strauchdieb es mit einem anderen Rezept.“ –

Nachdem die beiden Gefangenen etwa eine halbe Stunde miteinander ungestört geplaudert hatten, erhob sich Ring, suchte aus den umherliegenden Trümmern der Felsen zwei Stücke heraus, die sich als Meißel und Hammer benutzen ließen, und begann lediglich aus Langerweile in eine glatte Stelle eines der mächtigen Blöcke die weicher als das übrige Gestein war, etwas in lateinischen Buchstaben einzumeißeln, und zwar einen seltsamen Vers, der aber doch nur zu gut auf die beiden Deutschen paßte:

Gold der Verführer,
Wir die Verlierer.

Darunter setzte er den Namen seines Gefährten und seinen eigenen.

Währenddessen hatte der Doktor, auch aus Langerweile, zwischen den Felsen umhergestöbert. Jetzt lockte er durch einen Zuruf den Ingenieur herbei und zeigte ihm eine in einer Vertiefung des Gesteins liegende breite Rolle stark von den Unbilden der Witterung mitgenommenen

Empfohlene Zitierweise:
W. Belka: Die Schätze des Wahhabiten. Verlag moderner Lektüre G.m.b.H., Berlin 1916, Seite 4. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Die_Sch%C3%A4tze_des_Wahhabiten.pdf/7&oldid=- (Version vom 31.7.2018)