Seite:Die Totenstadt.pdf/16

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und England. Fast ähnlich ist es mit allen anderen Früchten, um welche wir manchmal die glücklichen Südländer so beneiden. Was ist denn an den mehligen, widerlich süßen Bananen, an den wässerigen Orangen, an dem groben Fleische der Kokosnuß dran? Mit einem Apfel, einer Birne und dem feinen Kern einer Haselnuß läßt sich dies doch nicht vergleichen. Der Nordbrasilianer lobt seine Früchte über alles, er hat prächtige Namen für sie, aber wenn man hinkommt, so legt er sie erst in Essig oder Spiritus und Zucker ein, ehe er sie ißt, und mit solchen Ingredienzien kann man schließlich auch Nußschalen wohlschmeckend machen.

Nein, mit allen diesen vielgepriesenen Früchten des heißesten Südens ist es nichts; nur die gemäßigte Zone bringt an Geschmack das Beste und Edelste hervor, wie schon der Rheinwein beweist.

Mit den Blumen ist es etwas anderes, da kommt nicht die Frucht in Betracht, und so sah auch hier Richard sich herrliche Blüten entwickeln, die er wegen ihrer Größe und ihres Duftes kaum als die einstigen, ihm wohlbekannten Blumen wiedererkannte. Dagegen verholzte auch das Gemüse im Garten.

Aber nicht alles verdarb. Das veränderte Klima, es brachte auch Neues, Nützliches hervor. Auf dem Mühlenhof entstand von selbst ein Feld, als die Halme wuchsen und einige sehr breite Blätter trieben, entwickelten sich Aehren, und nun erkannte Richard mit Erstaunen, daß es ein mit Reis vermischtes Maisfeld war.

Er konnte sich das Wunder bald erklären. Er hatte die Tauben mit vorgefundenem Reis und Mais gefüttert. Der Mais wurde rasch groß und lieferte Kolben, der Reis allerdings wollte nicht recht gedeihen, der verlangte eine besondere Pflege und hauptsächlich viel Feuchtigkeit. Richard hatte gelesen, wie die Chinesen ihre Reisfelder anlegen, die bald unter Wasser gesetzt, bald wieder trocken gelegt werden müssen, und er wollte die Reiskultur schon ausprobieren.

Die Tierwelt veränderte sich zunächst viel weniger, und Richard wußte auch gar nicht, wie sie sich hätte verändern

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Robert Kraft: Die Totenstadt. H. G. Münchmeyer, Dresden (1901), Seite 14. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Die_Totenstadt.pdf/16&oldid=- (Version vom 31.7.2018)