Seite:Die Totenstadt.pdf/25

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war in Erfüllung gegangen, wenn er auch nicht daran gedacht hatte, daß dies möglich sein würde, als er seine Vaterstadt unter den Aequator versetzte. Es war vieles ja ganz anders gekommen, als er erwartet hatte, aber er hatte doch bewiesen, daß er sich in jeder Lage zu helfen wußte.

Wenn er auf dem Söller seiner Festung saß, überblickte er einige Morgen Landes, die seiner Hände Arbeit mit Reis, Mais und Hirse bestellt hatte, er konnte die Felder vom Bache aus überrieseln und sie bei zu viel Feuchtigkeit durch eine andere Schleuse wieder trocken legen. Mancher Spatenstich mit krummem Rücken, viel Zimmermannsarbeit und noch mehr Erfindungsgeist war dazu nötig gewesen.

Auf dem Söller selbst klappert dann und wann eine kleine Mühle. Auch sie war aus seiner Hand hervorgegangen, sie entschälte den Reis und mahlte den türkischen Weizen.

Neben den Feldern waren Orangen- und Zitronenhaine entstanden, und Anlagen von Feigen- und Bananenkulturen. Schon trugen Dattel- und Kokosnußpalmen Früchte, und innerhalb der Umfassungsmauern gediehen die herrlichsten Blumen.

Das war eigentlich alles, was Richard durch sich selbst geschaffen hatte, aber es war sehr viel.

Eine Steinaxt und ein Lederkostüm brauchte er sich nicht zu fertigen. Zeit seines Lebens war er mit Werkzeugen versorgt, in Truhen lag ein unerschöpflicher Vorrat an Kleidern und Wäsche, welche er nur trocken und von Insekten frei zu halten hatte; er besaß auch sonst alles, was zu des Leibes und Lebens Notdurft gehört; auch Seife brauchte er nicht selbst zu fabrizieren und konnte daher seine Zeit ganz dem widmen, was ihm die Vergangenheit nicht mehr lieferte, sondern wozu eigener Fleiß nötig war, also zum Beispiel dem Bebauen seiner Felder und seines Gemüsegartens.

Die Zeit verstrich ihm wie im Fluge. Neben der Arbeit sorgten Lesen, das Einsammeln von Holz und die Jagd für Abwechslung. Dabei bediente er sich der Bogen und Pfeile, hielt aber auch Feuerwaffen für alle Fälle in Stand.

Empfohlene Zitierweise:
Robert Kraft: Die Totenstadt. H. G. Münchmeyer, Dresden (1901), Seite 23. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Die_Totenstadt.pdf/25&oldid=- (Version vom 31.7.2018)