Seite:Die Versprengten.pdf/32

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Arbeit, um das Rohr schleunigst auszubessern. Inzwischen fand Trepinski doch Gelegenheit, den Leutnant nochmals auf die große Wichtigkeit der aufgefangenen Gespräche aufmerksam zu machen.

„Das glaube ich ja gern,“ meinte der Offizier, der eben das durchschossene Rohr mit einem Stück Gummibinde umwickelte. „Was hilft das aber, wenn wir die Notizen noch rechtzeitig bekommen und dann von der Kavallerie im letzten Moment noch durch Karabinerschüsse wieder heruntergeholt werden.“

„Ob der Verband halten wird, Herr Leutnant?“ fragte der Sergeant jetzt.

„Hoffen wirs. Wenn auch etwas Benzin durchfließt, was schadet es. Wir haben ja genug davon. Die Hauptsache bleibt, daß der Motor genügend gespeist wird.“

Inzwischen mochten zehn Minuten vergangen sein. Trepinski fieberte förmlich vor Erregung. Wenn nur Makull bald zurückkehrte. Es wäre doch jammerschade gewesen, wenn diese günstige Gelegenheit unbenutzt vorübergehen sollte.

Der Offizier schaute argwöhnisch von seinem hohen Sitz aus nach dem etwa dreihundert Meter entfernten östlichen Rande der Lichtung hinüber, während der Motor weiter mit halber Kraft den Propeller knatternd im Kreise drehte. – So verstrichen abermals ein paar Minuten. Und nun tauchte der Student wirklich zwischen zwei Holzstößen auf. Trepinski stieß einen Freudenruf aus.

Aber in demselben Augenblick sprengten auch drei Reiter in voller Karriere von der anderen Seite herbei. Trepinski besann sich nicht lange, riß das Gewehr an die Schulter und – mit dem Knall des Schusses begann auch das vorderste Pferd zu stolpern und brach dann nach wenigen Sätzen zusammen. Noch drei Schuß gab der wackere Freiwillige ab, dann machten die beiden anderen Kavalleristen kehrt und verschwanden wieder zwischen den Bäumen.

Keuchend, schweißtriefend nahte Fritz Makull. Das Notizbuch befand sich wenige Sekunden später in Händen des Beobachtungsoffiziers. Und jetzt machte die Taube einen förmlichen Satz nach vorwärts, rollte über den ziemlich ebenen Boden einige dreißig Meter dahin und stieg dann mit zunehmender Geschwindigkeit empor, den Wolken zu.

Empfohlene Zitierweise:
W. Belka: Die Versprengten. Verlag moderner Lektüre G.m.b.H., Berlin 1914, Seite 31. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Die_Versprengten.pdf/32&oldid=- (Version vom 31.7.2018)