Seite:Die Versprengten.pdf/7

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Südlich von Cossenette schmiegte sich in eine Geländefalte ein Gehölz ein, das dann nach Osten zu Anschluß an die weiten Forsten von Verzigny, einem Städtchen südöstlich von St. Quentin, hatte. Vor diesem Gehölz hatte der Einjährige-Unteroffizier Horst Weber, im Zivilberuf Beamter einer großen Bank Mitteldeutschlands, mit seiner aus acht Mann bestehenden Gruppe Stellung genommen. Weber hatte unter seinen Leuten auch zwei Kriegsfreiwillige, die, da sie in einer Jugendwehr etwas militärischen Drill erhalten hatten, bereits nach vierzehntägiger Ausbildung beim Rekrutendepot des Regiments auf ihre Bitte zur Front geschickt worden waren.

Soeben hatte sich der eine der Kriegsfreiwilligen, ein blutjunger Student des Maschinenbaufaches, von dem Unteroffizier dessen scharfes Fernglas reichen lassen und blickte jetzt angestrengt nach dem Feinde hinüber, der etwa 1000 Meter entfernt in den sicheren Schützengräben lag.

„Na, Makull, sehen Sie was?“ fragte Weber nach einer Weile. „Sie haben doch so vorzügliche Augen. Läßt sich denn drüben keinerlei Bewegung wahrnehmen, die auf die Absichten unserer Herren vis-a-vis hindeutet?“

„Nichts,“ antwortete der Kriegsfreiwillige. „Doch halt! Da – wahrhaftig, ein französischer Flieger,“ rief er dann.

Der Einjährige-Unteroffizier pfiff durch die Zähne. „Kinder, jetzt wird die Geschichte faul, oberfaul sogar! Der Benzinvogel wird sehr bald erkannt haben, daß unser Flügel zurückgenommen wird und wir hier für unsere Division den Lückenbüßer spielen – mit einem ganzen Infanterie-Regiment und so Stücker zehn Geschützen, mehr sind es sicher nicht von den kleinen Brummern. Paßt auf, in einer halben Stunde geht der Tanz los! Und dann – viele von uns werden den Tag kaum überleben. Wie unser Hauptmann vorhin sagte, daß wir eine Stellungveränderung sichern sollen, da wußte ich schon Bescheid. Man ist ja nicht umsonst bereits seine vier Wochen immer ganz vorne gewesen. Nun, was hilft es. Wir werden eben unsere Schuldigkeit tun, das ist selbstverständlich.“

Durch Webers Worte klang trotz des stark hervorgekehrten wurschtigen Tones ein so bitterer Ernst hindurch, daß die beiden Freiwilligen, die ihren Vorgesetzten zwischen sich auf dem harten, lehmigen Boden liegen hatten, unwillkürlich

Empfohlene Zitierweise:
W. Belka: Die Versprengten. Verlag moderner Lektüre G.m.b.H., Berlin 1914, Seite 6. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Die_Versprengten.pdf/7&oldid=- (Version vom 31.7.2018)