Seite:Die indischen Eskimos.pdf/16

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hatten, waren erstarrt zu Boden gefallen, und daraus konnte man auch schließen, daß die furchtbare Kälte erst ganz plötzlich am Morgen eingetreten war, als die Vögel und die übrigen Tiere, die kein nächtliches Leben führten, bereits erwacht waren.

Der die ganze Nacht währende Orkan, der auch so manchen Baum gestürzt, hatte die Erdkatastrophe nur eingeleitet.

So erreichte Richard die Mündung des Baches in den größeren Fluß, wo auch wohlbehalten sein Boot mit dem übrigen Inhalt eingefroren im Eise lag. Er kümmerte sich jetzt nicht darum. Die neuen Wunder, die sich ihm hier zeigten, nahmen ihn ganz in Anspruch.

Das Eis des Flusses war nämlich ganz klar, es reichte bis auf den Grund und zeigte ihm auch hier die eingefrorene Tierwelt: Insekten, Fische, Frösche, Salamander, Krokodile und andere Geschöpfe, welche die indischen Gewässer beleben.

Der Fluß war durch den heftigen Regen ausgetreten gewesen, hatte in der Nacht die Ufer etwas überschwemmt, war plötzlich gefroren, und dadurch war das wunderbare Phänomen zustande gekommen, das sich hier den erstaunten und zugleich entzückten Augen Richards zeigte.

Die Flora war natürlich unter der furchtbaren Kälte völlig zu Grunde gegangen, denn diese konserviert die Pflanzen nicht so wie die Tiere. Schon fielen die erfrorenen Blätter bei dem geringsten Windhauche von den Bäumen; Gras und Blumen lagen abgestorben am Boden, und außer Bäumen und Büschen hielt sich nur noch das Dschungelrohr aufrecht und würde wohl auch so stehen bleiben, wenn es die Kälte nicht auseinandersprengte. Schon krachte es ab und zu wie ein Flintenschuß. Mit der exotischen Farbenpracht der Vegetation war es auch vorbei.

Nur dort, wo das Wasser die Vegetation überschwemmt und sie mit Eis umgeben hatte, sah Richard in dem wasserklaren Eise die herrlichsten Blumen in vollen Farben. Nicht das zarteste Staubfädchen war an ihnen verletzt; ebenso waren auch die bunten Schmetterlinge und andere Insekten wohl

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Robert Kraft: Die indischen Eskimos. H. G. Münchmeyer, Dresden (1901), Seite 14. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Die_indischen_Eskimos.pdf/16&oldid=3303634 (Version vom 31.7.2018)