Seite:Die verzauberte Insel.pdf/15

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diente ausgelassenes Fett, und aus feinen Pflanzenfasern hatten sie sich einen Docht gemacht. Das Leder war schon zugeschnitten, Richard bohrte in regelmäßigen Abständen Löcher hinein, Oskar drehte aus feinen Pflanzenfasern eine Art von Bindfaden, und Paul endlich nähte, indem er als Nadel eine lange Fischgräte benutzte, die am starken Ende durchbohrt war.

Es war ein unendlich mühseliges Geschäft, besonders weil die Nadel fortwährend abbrach und stets durch eine neu gefertigte ersetzt werden mußte, sodaß sie vermutlich wohl noch eine ganze Woche in den Lumpen herumlaufen konnten, die ihnen bereits vom Körper zu fallen drohten.

Endlich, als es Zeit zum Schlafen war, packten sie ihr Nähzeug zusammen, legten es auf die zusammengerollten Lederstücke und suchten ihre Lagerstätten auf.

„Heute nacht habe ich die Tiere auch gemerkt,“ war Richards erstes Wort am nächsten Morgen, „es huschte mir etwas über den Körper, dann war es gerade, als ob etwas Schweres durch die Höhle gezogen würde.“

Und heute bestätigte auch Oskar diese Aussage. Schnell, ehe sie den Boden zertraten, besichtigten sie jetzt denselben. Aber im dem weißen Sande war kein Abdruck irgend eines Tierfußes zu bemerken. Nur daß der Sand so glatt und von kleinen Rillen durchfurcht war, daß war auch heute merkwürdig. Es sah fast gerade so aus, als ob der Boden der Höhle jede Nacht geharkt würde, allerdings nur mit einer ganz kleinen Harke, deren Zinken dicht beieinander standen.

„Wo sind denn die Lederstücke hin?“ rief da Richard plötzlich.

Die angefangenen Kleider, die gedrehten Bindfäden, die Fischgräten, überhaupt alles, was zu der Näherei gehörte, war weg.

Bestürzt sahen sich die Freunde an und untersuchten nachmals die Höhle; allein nichts fehlte, als nur gerade das, was zu den Anzügen und zur Herstellung derselben gehörte.

War einer von ihnen mondsüchtig? That er etwas in schlafwachem Zustande, wovon er dann später nichts mehr wußte?

Aber dann dachten sie wieder an das Rascheln der Ratten

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Robert Kraft: Die verzauberte Insel. H. G. Münchmeyer, Dresden (1901), Seite 13. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Die_verzauberte_Insel.pdf/15&oldid=- (Version vom 31.7.2018)