Seite:Die verzauberte Insel.pdf/33

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Pulver aufgeschichtet, und auf diesem Damme die Steinplatte. Nun galt es, letztere zu lüften. Die Knaben befanden sich in der gleichen Lage, als wenn sie unter dem Hute einen Schmetterling hätten, der bei Aufheben des Hutes davonflattern könnte.

Sie legten sich auf den Boden, die Hände zum Zugreifen bereit haltend. Fliegen konnte das Geschöpf ja nicht.

Oskar hob endlich die Platte auf seiner Seite ein wenig und blinzelte hinein.

„Ich sehe etwas, einer ist darin,“ sagte er mit vor Aufregung zitternder Stimme.

„Wirf die Platte zurück, er kann uns nicht entkommen,“ entgegnete Richard, „und ich denke mir auch, das ungewohnte Tageslicht wird ihn so blenden, daß er gar keinen Fluchtversuch macht.“

Die Platte wurde nun zurückgeschoben, drei Augenpaare spähten in das Steinloch, und .....

Die Knaben hatten es erwartet, und doch waren sie jetzt außer sich vor Staunen.

Sie sahen jetzt zwei menschengleiche, nicht höher als ein großer Finger gewachsene, mit einem schwarzen, glänzenden Felle bekleidete Geschöpfe. Eng zusammengedrängt lagen sie unten in der Ecke! Ob aber die Felle ein Anzug oder ein natürlicher Pelz waren, ob sie wirklich ganz einem Menschen glichen, das konnte man jetzt nicht sagen. Man sah nur die schwarzen, glänzenden Leiber. Hier ragte ein Beinchen hervor, dort ein Arm, die Händchen aber waren so zierlich wie die Füßchen, und auch Nägel befanden sich daran. Ja, es waren winzige Menschen, die sogar Werkzeuge besaßen! In der Grube lagen, kleiner, als die kleinsten Kinderspielzeuge, zwei Aexte, Meißel und andere Instrumente, deren schneidende Teile wie Gold funkelten!

Der vorsichtige Oskar kitzelte die beiden regungslos daliegenden Gestalten mit einem Stock, wie man einen Käfer zum Laufen zu bringen sucht.

Empfohlene Zitierweise:
Robert Kraft: Die verzauberte Insel. H. G. Münchmeyer, Dresden (1901), Seite 31. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Die_verzauberte_Insel.pdf/33&oldid=- (Version vom 31.7.2018)