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Es war in den letzten Tagen des Jahres 1813, da kehrte ein junger sächsischer Offizier, der Sousleutnant vom Regiment „Prinz Maximilian“, Friedrich Ernst Aster[1], nach fast achtzehnmonatiger Gefangenschaft in Rußland, in die er bei Kobryn mit den Resten der Klengelschen Brigade nach tapferer Gegenwehr geraten war[2], in die Heimat zurück. Schon unterwegs hatten er und seine Leidensgenossen erfahren, welche Veränderungen in den politischen Zuständen Sachsens in der letzten Zeit eingetreten waren. Von allen Mitteln entblößt und nicht gesonnen, in den bevorstehenden weiteren Kämpfen gegen Napoleon müßiger Zuschauer zu bleiben, stellte sich der junge Leutnant der Militärverwaltung Sachsens wieder zur Verfügung und wurde sofort als Brigadeadjutant des Generals Lecoq angestellt, der in den nächsten Tagen zur Armee abgehen und mit dieser nach dem Unterrheine aufbrechen sollte. Da die während seiner Gefangenschaft fällig gewordenen Traktamente erst später nachgezahlt wurden, so mußte Aster sich die nötige Ausrüstung und zwei Pferde mit Hilfe guter Freunde auf Borg verschaffen.
Über die Zeit seiner Anstellung als Adjutant des Generals Lecoq in den Jahren 1814 und 1815 hat nun der inzwischen zum Premierleutnant[3] beförderte Friedrich Aster, einer weitverbreiteten Gewohnheit seiner Zeit folgend, ein Tagebuch geführt, welches manche interessanten Aufschlüsse über die Geschichte der sächsischen Armee in jenen beiden bösen Jahren enthält, aber nicht mit der Absicht der Veröffentlichung geschrieben ist. Später hat der Verfasser bestimmt, daß die beiden Oktavbände, welche das Tagebuch füllt, nach seinem Tode dem Hauptstaatsarchiv[4] und erst wieder nach 30 Jahren der Öffentlichkeit übergeben werden möchten. Die Zeit ist nun reichlich um, und es ist also nicht mehr den Absichten des Verfassers zuwider, wenn in diesen Blättern ein Auszug aus seinem Tagebuche erscheint, umso weniger, als die darin behandelte Zeit nun der Geschichte angehört und selbst die unerfreulichsten Dinge, welche darin berührt werden, nicht mehr imstande sind, dem festen Bunde zu schaden, der uns Sachsen heute mit unserem nördlichen Bruderstamme eint. Wohl aber läßt uns das Tagebuch durch die Unmittelbarkeit der Eindrücke und Empfindungen, die es wiedergibt, einen
tiefen Blick tun in das Denken, Fühlen und Wollen der
- ↑ Geboren am 23. Sept. 1786 zu Dresden als dritter Sohn des 1804 verstorbenen Generalmajors und Kommandanten des Ingenieurkorps Ludwig Aster, trat 1805 als Kadett in das sächsische Heer ein, nahm an allen Feldzügen der folgenden Jahre teil, war zuletzt Chef der Kommandoabteilung des Generalstabes, bez. des Ministeriums, das er 1848 interimistisch zu leiten hatte, nahm 1849 seinen Abschied, wobei er den Charakter eines Generalmajors erhielt. Er starb am 15. Okt. 1869. Seine älteren beiden Brüder sind der 1778 geborene Ernst Ludwig von Aster, k. preuß. General der Infanterie, Generalinspekteur sämtlicher preußischen Festungen und Chef des Ingenieurkorps, und der 1782 geborene Karl Heinrich Aster, k. sächsischer Artillerieoberst und Militärschriftsteller, beide gestorben 1855. Nach Friedrich und Heinrich Aster ist die Asterstraße in Dresden-Neustadt benannt.[WS 1]
- ↑ Vgl. Schuster und Francke, Gesch. d. sächs. Armee, 2. Teil, S. 320 f.
- ↑ Patent vom 21. Juli 1813!
- ↑ Loc. 13 543 (früher Secreta Nr. 21 A u. B).
Anmerkungen (Wikisource)
- ↑ jetzt Köpckestraße
Dr. Otto Richter (Hrsg.): Dresdner Geschichtsblätter Band 4 (1905 bis 1908). Wilhelm Baensch Dresden, Dresden 1905 bis 1908, Seite 205. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Dresdner_Geschichtsbl%C3%A4tter_Vierter_Band.pdf/210&oldid=- (Version vom 27.2.2025)