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aus Bambusrohr, eine Art Leiter, herbeischleppen, auf der ich mich auf das Dach des Gewölbes hinaufschwang, das ursprünglich ein Mandapam[WS 1] war, wie man in Indien alle gastlichen Hallen für Wallfahrer und reisende Tempelsbesucher nennt, deren Dächer von künstlerisch bearbeiteten Säulen gestützt sind. Jetzt aber war jedes Winkelchen mit Verkaufsgegenständen vollgepfropft, und sein chaotisches, unsagbar malerisches Durcheinander von mehr oder weniger bekleideten Käufern und Verkäufern erfüllte die Halle, in der ein Geräusch wie Meeresbrausen widerhallte.

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Im Durchgange des Tempeltores zu Madura.

Der Wirrwarr phantastischer mythologischer Figuren zwischen dem von Säulengruppen getragenen Gebälk, geschweiften Wülsten oder sonstigen Bauverzierungen des Turmes und des Tores befremdet um so mehr, weil in der bunten Übertünchung dieser prahlerischen plastischen Ausschmückung rote Farbentöne überwiegen, so daß ein leuchtender Schimmer von Abend- oder Morgenröte auf diesen Bauten zu ruhen scheint.

Nach so prunkvollem Außenwerk hätte man volles Recht, zu erwarten, daß der eigentliche Tempel von unübertrefflicher, prachtstrotzender, fremdartiger Schönheit sein müsse, und erwartungsvoll betritt man den Durchgang.

Zunächst ist jeder Neuling erschreckt von den merkwürdigen Abzeichen der

uns überall umdrängenden Schiwa-Anbeter; in Gestalt von drei dicken weißen

Anmerkungen (Wikisource)

  1. WS: Mandapam: vergleiche Mandapa
Empfohlene Zitierweise:
Kurt Boeck: Durch Indien ins verschlossene Land Nepal. Ferdinand Hirt & Sohn, Leipzig 1903, Seite 70. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Durch_Indien_ins_verschlossene_Land_Nepal.pdf/102&oldid=- (Version vom 1.7.2018)