Seite:Durch Indien ins verschlossene Land Nepal.pdf/37

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Fertig. Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle korrekturgelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.

etwa 7½ Millionen, Kopperah mit 6¾ Millionen, Nüsse mit 4½ Millionen, Kokosfasererzeugnisse mit 2¼ Millionen die Hauptposten sind. Der Eingeborene kennt in seinen Ansprüchen an die Leistungen der Kokospalme keine Grenzen, weil er weiß, wie überverschwenderisch die Naturkraft seiner Zone ihren Segen verschleudert; gewandt klettert er in die Palmwipfel hinauf, wo der Blütenbüschel sprießt und duftet, kerbt ihn und hängt unter den Schnitt einen Krug, in den nun der Lebenssaft des Baumes hineintropft. Ist der Krug mit frischem Palmwein bis zum Rande gefüllt, so verklebt der Eingeborene die Wunde, damit der geduldige Baum auch noch seinen Nachkommen gleiche Wohltaten zu spenden vermag. Hundert volle Jahre lang läßt sich die Kokospalme dieses unaufhörliche Anzapfen ruhig gefallen, dann bekommt der schlanke Baum es satt, dem undankbaren Menschen Ströme süßen Saftes oder Jahr für Jahr hundert schöne Nüsse zu opfern, er verdorrt plötzlich und stirbt. Die Geschicklichkeit, die zu dieser, für den Baum leicht lebensgefährlich werdenden Saftentziehung erforderlich ist, sichert den Toddy-Zapfern ein besonders hohes Ansehen; in der gesellschaftlichen Rangordnung der Sinhalesen folgen sie gleich hinter den Landbesitzern und Fischern an dritter Stelle, dann erst kommen Handwerker, Pflanzungsarbeiter und zuletzt, wie auch in Indien, die Barbiere und Wäscher.

Kurt boeck indien nepal 015.jpg

Becher aus Bronze für Palmschnaps; Hälfte der natürlichen Größe.

Nicht weit von dem Dorfe Wellalawella liegt eine Zimtpflanzung, die ich gelegentlich besucht habe. Es fiel mir auf, daß dort nicht wie sonst auf ceylonischen Arbeitsplätzen fröhliches Lachen und Schwatzen erklang; seitdem aber die holländischen Pflanzer im Jahre 1767 eine verfeinerte Zimtkultur des wilden Baumes einführten, gilt der Brauch, die Arbeiten möglichst stillschweigend zu verrichten, weil der menschliche Hauch den Duft des Gewürzes beeinträchtigen soll, was bei dem unmäßigen Zwiebelgenuß seitens der Arbeiter einigermaßen begreiflich erscheint. Dieser zarte Wohlgeruch — ich meine natürlich den nach Zimt — durchdringt nicht nur alle Teile des Baumes, sondern auch die ganze Umgebung der Pflanzung und soll sogar eine seltsame Verräterrolle gespielt haben. Den Arabern war es nämlich bis zum 16. Jahrhundert gelungen, zu verheimlichen, wo ihre sie so fabelhaft bereichernde „Zimtinsel“ läge und dies Geheimnis geraume Zeit zu hüten, weil nur die regenreiche südwestlichste Provinz Ceylons wildwachsende Zimtbäume hervorbrachte; der balsamische von Ceylon herüberwehende Duft derselben soll aber endlich doch einigen besonders feinen Seemannsnasen auf dem Meere aufgefallen sein und zur Entdeckung der Zimtheimat geführt haben; mir freilich ist dieser Zimtduftgenuß auf dem Meere über dem Zigarrenrauch meiner Schiffsgenossen leider niemals zu teil geworden.

Höchst ergötzlich ist die Geschicklichkeit, mit der die schelmisch blickenden Sinhalesenmädchen die Rinde auf beiden Seiten der Schößlinge des Zimtbaumes mit rundgebogenen Messern aufschlitzen und mit einem Holz abstreifen,

Empfohlene Zitierweise:
Kurt Boeck: Durch Indien ins verschlossene Land Nepal. Ferdinand Hirt & Sohn, Leipzig 1903, Seite 15. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Durch_Indien_ins_verschlossene_Land_Nepal.pdf/37&oldid=3178715 (Version vom 1.7.2018)