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Viehtränke im Kaweristrom.

Fünftes Kapitel.
Im märchenhaftesten Indien.

Gleich den wasserdampfenden Teakholz-Waldungen Unter-Birmas und dem regenfeuchten Südwesten Ceylons trieft auch die Westküste Südindiens vom Überfluß des fruchtfördernden Himmelssegens, den der Südwestmonsun[WS 1] in klotzigen Wolkeneimern von Afrika her über den Indischen Ozean nach Indien hinüberschleppt, wo diese an den Häuptern des Nilgiri-Gebirges[WS 2] anprallen, umkippen und ihre Wassermassen über diese Westküste Indiens, die Malabar-Küste[WS 3], verschütten.

Die Ost- oder Koromandelküste[WS 4] und der Süden Indiens werden dabei jedoch überaus stiefmütterlich bedacht und sind auf die kärglichen, unzuverlässigen Regenspenden angewiesen, die der Nordostmonsun bringt. Deshalb ist hier seit alten Zeiten künstliche Bewässerung im Gange, so daß man den überall in die Augen fallenden Schöpfbrunnen als ein wesentliches Merkmal Südindiens ansehen könnte. Wo Menschenkraft so billig zu haben ist, kann es nicht wundernehmen, daß bei jedem Acker ein, zwei oder drei Kulis nichts weiter zu tun haben, als beständig auf der einen Hälfte eines Schwebebaumes hin und her zu laufen, von dessen einem Ende eine Bambusstange mit einem Schöpfer in die Tiefe des „Pikotta“-Brunnens[WS 5] hinabtaucht, während am anderen Ende ein schwerer Lehmklumpen als Gegengewicht wirkt; aus seichteren Brunnen wird dagegen das Wasser von je zwei Arbeitern in Schöpfgefäßen empor befördert, die an Stricken auf die terrassenförmig angelegten Felder von Stufe zu Stufe emporgeschwungen werden.

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Tor und Gopuraturm des Schiwa-Tempels in Madura.

In den südindischen Tamulendörfern stehen die grauen, unscheinbaren Hütten der Eingeborenen dicht zusammengeschart, während auf Ceylon die

behaglicheren Behausungen der Sinhalesen weit voneinander gebaut sind, weil

Anmerkungen (Wikisource)

  1. WS: Vorlage: Süwestmonsun.
  2. WS: Nilgiri: vergleiche Nilgiri-Berge
  3. WS: Malabar: vergleiche Malabarküste
  4. WS: Koromandel: vergleiche Koromandelküste
  5. WS: Pikotta: doppelarmiger Schöpfbrunnen, vgl. Dr. Georg Buschan: Illustrierte Völkerkunde in zwei Bänden, 1923, Seiten 496/526 Digitalisat
Empfohlene Zitierweise:
Kurt Boeck: Durch Indien ins verschlossene Land Nepal. Ferdinand Hirt & Sohn, Leipzig 1903, Seite 68. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Durch_Indien_ins_verschlossene_Land_Nepal.pdf/98&oldid=- (Version vom 1.7.2018)