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Liste.png Walther Kabel: Eine folgenschwere Ohrfeige. In: Bibliothek der Unterhaltung und des Wissens, Jahrgang 1912, Bd. 7, S. 227–229

war. So zahlten dem Herrscher von Algerien, dem Dei, noch 1820 Portugal, Sardinien, Dänemark und Schweden Tribut, und selbst die Seemacht England mußte sich dazu verstehen, dem Dei bei jedem Konsulwechsel ein Geschenk von sechshundert Pfund Sterling zu machen. Die Gefangenen, die die algerischen Piraten auf ihren Raubzügen erbeuteten, wurden als Sklaven verkauft. Unzählige Christen schmachteten in der Gefangenschaft der Türken, und doch konnten die europäischen Staaten sich zu keiner gemeinsamen entscheidenden Unternehmung gegen diese Geißel des Mittelmeeres aufraffen. Diese für ganz Europa unwürdigen Zustände dauerten bis zum Jahre 1827, denn endlich hatte die Regierung in Paris eingesehen, welche Bedeutung Algerien als Kolonialbesitz gerade für Frankreich haben könnte, und war nunmehr einzig und allein darauf bedacht, einen Anlaß zu einem Feldzuge gegen den Dei künstlich heraufzubeschwören, ohne daß den anderen Mächten Gelegenheit zur Einmischung gegeben werden sollte.

Während der Expedition Napoleons nach Ägypten im Jahre 1798 hatten algerische Kaufleute für Frankreich Getreide geliefert, das immer noch nicht bezahlt worden war. Um seinen Untertanen zu ihrem Recht zu verhelfen, nahm sich der damals regierende Dei Husein der Angelegenheit an, forderte aber so unverschämt hohe Summen von der französischen Regierung, daß diese darauf überhaupt keine Antwort erteilte, vielmehr ihren Konsul Deval schleunigst mit den nötigen Instruktionen versah, um diesen Getreidehandel zu dem so heiß ersehnten Anlaß zu einem Kriege aufzubauschen.

Am 2. März 1827 ließ der über das hartnäckige Schweigen Frankreichs bereits ergrimmte Dei, der sich noch immer als Beherrscher aller Meere fühlte, Deval in seinen Palast rufen. Doch der Konsul erschien erst drei Tage später und nicht etwa in der vorgeschriebenen Galauniform, sondern im Reitanzug, eine Reitgerte in der Hand.

Die Wut des jähzornigen Husein steigerte sich durch diese offenbare Nichtachtung seiner Herrscherwürde noch mehr. Erregt fuhr er Deval an, warum denn die französische Regierung auf seine Forderungen bisher keine Antwort erteilt habe.

Empfohlene Zitierweise:
Walther Kabel: Eine folgenschwere Ohrfeige. In: Bibliothek der Unterhaltung und des Wissens, Jahrgang 1912, Bd. 7, S. 227–229. Union Deutsche Verlagsgesellschaft, Stuttgart, Berlin, Leipzig 1912, Seite 228. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Eine_folgenschwere_Ohrfeige.pdf/3&oldid=3307177 (Version vom 31.7.2018)