Seite:Else Lasker Schueler Die gesammelten Gedichte 1917.pdf/28

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In der Früh fielen vom Birnbaum eines fremden Gartens mächtige Birnen herunter in unsere kleine Gasse, in Schülers Gasse. Manchmal schlich ich leise auf bloßen Füßen über die Treppe durch den Hausflur an zwei Amoren vorbei und sammelte die dicken Birnen in mein Nachtkittelchen. Einmal traf ich den Pülle, dem ich im Vertrauen von unserer Schlaraffenlandgasse erzählt hatte. Der Pülle Kaufmann trug heute keine Watte in den Ohren wie sonst; er war nämlich auch heimlich von zu Hause ausgerückt, und ich bemerkte sofort seine leeren Ohren und machte ihm einen Vorschlag und betonte dann ganz ernstlich auf die weitabstehenden Löffel weisend:

„Heute mußt Du aber gehört haben, Pülle!“

„Was?“ antwortete Pülle genau wie mit den Wattebüscheln in den Höhlen. „Wa?“

„Pülle,“ rief ich ungeduldig, „wenn Du mir sagst, was ich Dir eben anvertraute, schenk ich Dir meine Knopfsammlung.“ Ich war nämlich müde, immer alles zu wiederholen.

„Wa?“ Aber dann sich überstürzend fragte er: „Die ganzen Knöpfe?“

Ich nickte zögernd, mein Angebot reute mich schon. „Du, ich schenk Dir unsere große, rosa Muschel aus unserem Gartenzimmer, Pülle, wenn Du mir sagst, was ich Dir eben sagte.“

Als Bestätigung fiel jedesmal eine reife Birne vom

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Else Lasker-Schüler: Gesammelte Gedichte. Verlag der Weißen Bücher, Leipzig 1917, Seite 30. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Else_Lasker_Schueler_Die_gesammelten_Gedichte_1917.pdf/28&oldid=- (Version vom 31.7.2018)