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Mein Drama

Mit allen duftsüßen Scharlachblumen
Hat er mich gelockt,
Keine Nacht mehr hielt ich es im engen Zimmer aus,
Liebeskrumen stahl ich mir vor seinem Haus

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Und sog mein Leben ihn ersehnend aus.

Es weint ein bleicher Engel leis in mir versteckt,
Ich glaube tief in meiner Seele;
Er fürchtet sich vor mir.
Im wilden Wetter sah ich mein Gesicht!

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Ich weiß nicht wo, vielleicht im dunklen Blitz,

Mein Auge stand wie Winternacht im Antlitz,
Nie sah ich grimmigeres Leid.
.... Mit allen duftsüßen Scharlachblumen
Hat er mich gelockt,

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Es regt sich wieder weh in meiner Seele

Und leitet mich durch all Erinnern weit.
Sei still mein wilder Engel mein,
Gott weine nicht
Und schweige von dem Leid,

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Mein Schmerzen soll sich nicht entladen,

Den Faden, der mich hielt mit allen Leben,
Hab ich der Welt zurückgegeben
Freiwillig.
Auf allen Denkgesteinen wird mein Leiden brennen,

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Um alles Blühen lohen, wie ein dunkler Bann.

Ich sehne mich nach meiner blindverstoßenen Einsamkeit,
Trostsuchend wie mein Kind sie zu umarmen.

Empfohlene Zitierweise:
Else Lasker-Schüler: Gesammelte Gedichte. Verlag der Weißen Bücher, Leipzig 1917, Seite 43. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Else_Lasker_Schueler_Die_gesammelten_Gedichte_1917.pdf/41&oldid=3307810 (Version vom 31.7.2018)