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Und die Stürme sausten wie Weltuntergang,
Und die Bäume brannten am Bergeshang,
Es sang die Blutschande ........

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Sie holten ihn um die Dämmerzeit,

Und die Gassenkinder schrien vor Freud
Und bewarfen ihn mit Unrat.

Seitdem spukt es in dieser Nacht,
Und Geister erscheinen in dieser Nacht,

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Und die frommen Leute beten.


Sie schmückte mit Trauer ihren Leib,
Und der reiche Schankwirt nahm sie zum Weib,
Gelockt vom Sumpf ihrer Tränen.

– Und der mit der schweren Rotsucht im Blut

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Wankt um die stöhnende Dämmerglut

Gespenstisch durch die Gassen.

Wie leidender Frevel
Wie das frevelnde Leid,
Überaltert dem lässigen Leben.

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Und er sieht die Weiber so eigen an,

Und sie fürchten sich vor dem stillen Mann
Mit dem Totenkopf.

Empfohlene Zitierweise:
Else Lasker-Schüler: Gesammelte Gedichte. Verlag der Weißen Bücher, Leipzig 1917, Seite 93. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Else_Lasker_Schueler_Die_gesammelten_Gedichte_1917.pdf/91&oldid=- (Version vom 31.7.2018)