Seite:Erzählungen vom Oberharz in Oberharzer Mundart von Louis Kühnhold – Heft 10.pdf/15

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     „Wißt Ihr, wurim die Schteier[1] su is getääft[2]?“

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Ruffte Aener daar rimmehaar waar geschwääft.

„Crimmenaal“ ward dorim gesaat,
Weil dis d’r Name is zu d’r That.
Dänn „grimmig“ ward wull Jeder sein,
Reckt m’r d’n Schteierzettel rein.

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Un än Naal[3] hot a Jeder im Kopp,

Waar gelääbt die Schteier kimmt wieder ob!“

     „Wurim“ huß es vielfach nu laut,
Ward hie kä Bitterbier gebraut.
An neie Schteiern ward schteets gedacht,

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Ower ä anner Getränk ward nett gemacht.

Känntes dänn iewerhaupt nett meglich sein,
Daß ämool äne Zeit treet ein,
Wu geschproch’n wier mit fruhe Muth:
„Unner Brähaus macht Alles wieder gut!“

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     Un richtig ’s dauerte nett me lang,

Do waar d’r Zeitpunkt do im Sanc.
Im Brähaus wuur Alles aufgeriss’n,
Wos schlacht, wuur gleich wackgeschmiss’n
Un Alles of’s Beste eingericht,

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Sugleich Fäss’r gekääft[4] und richtig verpicht.

Un d’r arschte Brau wuur gemacht,
Nu frug ’s sich wierer waar vullbracht.

     „Ausgezäängt, harrlich!“ hußes schpäter von All’n,
„Is dis Bier ower ausgefall’n!“

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Drim wuur nu rasch a wättergebraut

Un immerme noch aangebaut.


  1. Schteier = Steuer.
  2. getääft = getauft.
  3. Naal = Nagel.
  4. gekääft = gekauft.

Anmerkungen (Wikisource)