Seite:Erzählungen vom Oberharz in Oberharzer Mundart von Louis Kühnhold – Heft 2.pdf/10

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     Labhaft wursch nu in Schtroßen und Gass’n,

Jeder wollte die Gelaanghät[1] zu
225
arscht[2] erfass’n,

In aller Eil sän Zettel obgahn[3],
Im schpäterhin mit zu se sahn.

     Ae paar Red’ner trot’n noch ä Mol auf
Vorn Lokal in dann Mänschenhauf;

230
Aener davon ä wardiger[4] Greis

Saate noch schließlich nog seiner Weiß:
„Kinner härt, bekannt isses doch Jeden,
Das ich kä Mäster[5] bin in Reden,
Doch dis gillt Eich All’n, die Ihr do seid,

235
Hauptsachlich Eich Bark- und Hittenleit:

Thutt heit in Ehr’n Eiere Flicht,
Macht Ihr de Ordning nett zunicht.
Ihr wißt, ich bin all huch in Jahr’n,
hob in d’r Walt all viel erfahr’n,

240
Ich bitt Eich drim in äängner Sach,

Schtieht fest un trei und bleibt schtets wach!“

     Ergriffen guckte Jeder dan Alten aan,
Sugar die Gengner[6] hur m’r saan:
„Dann Alten woll’n m’r nett belehr’n,

245
’s Alter mus m’r schtets noch ehr’n.“[WS 1]


     Die Zeit verging nu nog und nog;
’s war nu lang all nog Mittog,
Do wogtes in Schtroßen auf und ob,
Viele Wehler[7] kame sugar in Galopp.

250
Derzwischen war ä Geklingel von Schall’ngeleit,

Viele Wehler hatt’ns gut in dar Zeit,


  1. Gelaanghät = Gelegenheit.
  2. arscht = erst.
  3. obgahn = abgegeben.
  4. wardiger = würdiger.
  5. Mäster = Meister.
  6. Gengner = Gegner.
  7. Wehler = Wähler.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Fehlendes Anführungszeichen eingefügt