Seite:Erzählungen vom Oberharz in Oberharzer Mundart von Louis Kühnhold – Heft 2.pdf/14

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55
Un Viele, die sinst nett ’rausgelosen,

Trof m’r dan Nachmittog off’n Schtroßen;
Dänn Jeder wollte das Schauschpiel saan, —
Suwos hattes noch nett gegaan.
Sugar aus Siewer[WS 1] Lauterbarrig[WS 2] un Branlog[WS 3]

60
War’n Mänschen gekumme zu dan Tog.


     Die festgesetzte Zeit war nu all hin,
Do kam’s Viel’n in d’n Sinn
Mol hinzugien un zu freeng[1]
Wanneer dasse wos zu sahn greeng[2].

65
Nu huß es dänn: „Gitt ruhig in Eiern Haus,

Dar Gallazug — dar fellt aus;
De Woong[3] sein bis jetzt auß’n gebliem,
Die schteck’n in Schnee — an Bruchbarrig[4][WS 4] driem!“

     Nu ja, zu Verwunnern warsch nicht in dar Zeit,

70
Bei dar Kellt[5] kunntes hann a geschneit. —

Doch wie nu dis war publizirt,
Saaten verdrießlich Viele: „Ach, wie uns ower friert;
Nu hott m’r d’n Nachmittog hie zugebracht
Un nischt gesaan, — war hette dis gedacht!“ —

75
     Schließlich kame de Woong’s un ’s wuur aufgebaut,

Un in Schtroßen wuursch gleich wieder laut;
Jeder eilte nu, woss’r kunnte winden[6],
Wumeglich d’n besten Platz zu finden.
’s wur drim ä Geränn un ä Traten,

80
D’rzwischen hur mir Fluung[7] un Baten[8],

Un schließlich bliem noch Viele iwer
Trotz weiter Räs’ von Branlog un Siewer.


  1. freeng = fragen.
  2. greeng = bekämen.
  3. Woong = Wagen.
  4. Bruchbarrig = Bruchberg.
  5. Kellt = Kälte.
  6. winden = laufen.
  7. Fluung = Fluchen.
  8. Baten = Beten.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Sieber, Ortsteil von Herzberg am Harz
  2. Bad Lauterberg
  3. Braunlage
  4. Bruchberg