| Louis Kühnhold: Erzählungen vom Oberharz in Oberharzer Mundart – Heft 2 | |
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Beinah hette noch die Krankhätsgeschicht
Zwieschpalt gaar aangericht;
’s kam nämlich in dan Zeiten
Aener krank häm von unnern Leiten
Un saate zu seiner Fraa mit arnsten Gesicht:
„Du, ich hab de Franssiska!“ — Haar wollte nu saan gekricht. —
Sie ließ ne ower nett kumme zu Wort:
„Verfihrer"“ schrier se, „Du machst Dich nu fort!
Mit uns Bäden isses verbei, —
Diß is wull Deine ewige Trei!“
Pletzlich wursch’n nu arscht klaar,
Daß Franssiska dar Name gar nett wahr;
Drim schluchtz’r nur aus vuller Brust:
„’s is ju Influenza, — ich hob dan Name nett gewußt!“
Gans annerscht sog seine Fraa nu drein —
Sie brauchte nett eifersichtig mee zu sein.
Die Kranket nahm schteets iwerhand,
Ae Mittel war och nett bekannt, —
Bis pletzlich trof die Nochricht ein
Von kräfting Influenzawein.
Ae Jeder trank nu mit Begier,
Bis dasses huß: „Influenzabier!“
Un fortwahr’nd kame Mittel genaht,
Sugar Schnaps oder Torncaat.
Angepriesen wuur von nah un farn
Wein, Bier, Schnapps und Cicharrn,
Fast an jeder Sach, die Waarth[1] sollte haan,
Hung m’r dos Wort: „Influenza“ aan.
- ↑ Waarth = Werth.
Louis Kühnhold: Erzählungen vom Oberharz in Oberharzer Mundart – Heft 2. Im Selbstverlag des Herausgebers, Sankt Andreasberg 1887, Seite 52. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Erz%C3%A4hlungen_vom_Oberharz_in_Oberharzer_Mundart_von_Louis_K%C3%BChnhold_%E2%80%93_Heft_2.pdf/25&oldid=- (Version vom 29.10.2023)