Seite:Erzählungen vom Oberharz in Oberharzer Mundart von Louis Kühnhold – Heft 2.pdf/4

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Su hur m’r trotztann in dar Zeit
Verschied’nde Männing zwisch’n de Leit.
Dar Aene saate: „Mir isses egaal,

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Ich bleib bei All’n lieberaal!“

Dar An’re saate: „Als Schitz[1] bleib ich trei
Schtets immerhin d’r Centrumsparthei!“
Un wänn nu hiedriewer wur geklaat[2],
Su huß es änfach: „’s ward uns ju gesaat!“ —

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’s war nämlich agetirt

Un schließlich Alles aufgerihrt.

     Hauptsachlich thaten dis weche von äner Parthei,
Die saaten zu jeden Arb’ter frei:
„Brieder, gatt Eich Alle Mieh[3],

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Daß huch kimmt de Demokratie;

Ihr ward ’s schpäterhin noch saan,
Bessere Zeiten kann’s dänn nett mee gaan;
Ihr braucht de Helleft[4] noch zu thun
Un kricht trotzdann doppeltes Luhn!“

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     Doch de Meesten[5] hie, die dos hu’ern,

Die saaten: „Kameraden, kott uns wätter buh’rn[6],
Ae Jeder sieht dis doch ein,
Daß nie dis kann meglich sein;
Was soll’n m’r unnere Flicht verletz’n

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Un uns of luße Baamer[7] setz’n!“


     „Ich richt mich noch Känn’!“ saate Aener, von dan bekannt,
Dasser mit seiner Fraa[8] off’n Kriegsfuß schtand,
„Ich kumm d’n Wahltog änfach ha


  1. Schitz = Schütze.
  2. geklaat = geklagt.
  3. Mieh = Mühe.
  4. Helleft = Hälfte.
  5. Meesten = Meisten.
  6. buh’rn = bohren.
  7. Baamer = Bäume.
  8. Fraa = Frau.

Anmerkungen (Wikisource)