Seite:Erzählungen vom Oberharz in Oberharzer Mundart von Louis Kühnhold – Heft 2.pdf/8

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Mir woll’n uns vor farnern Zeit’n
Käne Nochwehe[1] d’rdorrich bereit’n.“

     „Un mir nett!“ erklang’s von annerer Seit,

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„Mir sein käne Bark und Hitt’nleit;

Aus dan Wort’n, die mir aam vernumme,
Is vorr uns nischt ’rausgekumme;
Lang genung haan m’r geschwieng[2],
Schtets mußt’n mir unt’n lieng!“

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     Su ging nu ’s Schwatzen hin un haar,

Sätz machten Meh’re kreiz un quar;
Hauptsachlich Aener, dar schprang zu Jeden
Un ruffte: „Kännte ich blus red’n“[WS 1], —
Arscht hätzt von Viel’n: „Ich bin Demokrat!

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Un jetzt trifft m’r känn mit äner Schwaat[3].“


     Of ämol huß es in d’n Hauf:
„Ae Demokrat tritt jetzt auf!“

     Unruhig wursch noch mee im Saal, —
Nie warsch su labhaft in Lokal;

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Die Hintern drängten sich nu vier,

Un in dann Larm un Jutezier
War all mannige Bemarkung gefall’n
Wie d’r Redner seine Schtimm ließ erschall’n.

     Kräftig ower mit ruhiger Schtimm

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Schillerte de Log d’r Arbt’r vor schlimm,

Zum Aufwach’n aller Arbt’rschleit
Wär jetzt gerod de richtige Zeit.
Un wierer wollte schprach’n von d’r Wahl
Do ertönte pletzlich ä Gereisch in Saal;


  1. Nochwehe = Nachwehen.
  2. geschwieng = geschwiegen.
  3. Schwaat = Redefluß.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Fehlendes Anführungszeichen eingefügt