Seite:Erzählungen vom Oberharz in Oberharzer Mundart von Louis Kühnhold – Heft 5.pdf/17

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Hauptsachlich vor Aen daar Räsen[1] macht,
Do isse vorzieglich aangebracht.

     Wänn frieher wuur äne Rääs gemacht,

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Su wuur Alles schteets in Aufruhr gebracht.

Obschiedslieder gesunge, Schtandle[2] gebracht,
Dorchgewarthschaft de letzte Nacht.

     Nu waarsch dänn ä Mool im tiefen Schacht,
Die Leit hatten aam[3] Mittog gemacht;

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Do saate Aener mit fräding Gesicht:

„Kameraden ich hoob Urlaub gekricht!
Ich will nämlich verräsen, un wißter wuhin?
Nämlich noch mein Freind in Barlin!“

     Kaum hatter gesaat äs letzte Wort,

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Su legte Jeder sei Ass’n[4] fort.

Schprochlus soz Jeder schtumm un schtaar
Bis daß Aener fruug: „Isses dänn wahr?
Du witt uns verlooßen[5], un su weit hin?
Kamerad, loß Dir rothen bleib aus Barlin!“

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     Vergaablich waar jedoch das ganse Schprach’n,

Haar[6] wollte nu nett wieder brach’n,
Dänn wies verbei waar mit d’r Schicht,
Nahm’r Obschied von All’n mit betriebten Gesicht.

     Verschtrich’n waar nu kaum de Nacht,

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Do hatt’r sich zu Rääs a fartig gemacht;

D’r Obschied von d’r Fra fuul’ne[7] schwäär,
Sie goob ne a mit die gute Lähr[8],
Haar sollte ju in weiter Farn
Im Gott’swill’n ihr nett untrei waarn,


  1. Räsen = Reisen.
  2. Schtandle = Ständchen.
  3. aam = eben.
  4. Ass’n = Essen.
  5. verlooßen = verlassen.
  6. Haar = Er.
  7. fuul’ne = fiel ihm.
  8. Lähr = Lehre.

Anmerkungen (Wikisource)