Seite:Erzählungen vom Oberharz in Oberharzer Mundart von Louis Kühnhold – Heft 5.pdf/20

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     Nu lett’r[1] sich nett länger halten,

90
Allään kanner schalten un walten;

Jedoch, saat’r mit ängstling Miene:
„Wänn dis wißte meine Karline,
Wiersche gewiß in de Flitting schlaan,
Seeg die dis Schpiel hie aan!“

95
     Rasch kääft’r[2] sich äne Rittertracht,

Beguckt sich im Schpiegel in seiner Pracht
Un saat: „Woß wier bis vor Arger gaan,
Kreeg[3] deine Fra dis hie zu sahn[4].“

     Doch muthig nu un gefaßt,

100
Betritt’r dan Saal un bleibt schtiehn wie ä Ast.

Haar sieht nämlich ä buntes Bild,
Alles is hie iwerfillt
Von Rittern, Grafen und Lakein,
Huuch un niedrich gitt aus un ein;

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Alles is in vuller Pracht,

Nä, su hettersch sich nie gedacht.

     Nu macht’r sich zwisch’n dan bunten Gewihl,
’s ward’ne warm un wieder kiehl,
An derhäm[5] ward nett me gedacht,

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Dozu waar käne Zeit disse Nacht.


     Of ämool fiehlt’r woß an sän Arm,
Sei ganser Karper wardne warm,
Haar wäß nett wie ne jetzt geschieht,
Dänn äne seine Daam[6] anne schtieht;

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Vor Angst bewerne[7] seine Glieder,

Aengstlich guckt’r auf, dänn wieder nieder.


  1. lett’r = läßt er.
  2. kääft’r = kauft er.
  3. Kreeg = Krichte.
  4. sahn = sehn.
  5. derhäm = zu Hause.
  6. Daam = Dame.
  7. bewern = beben.

Anmerkungen (Wikisource)