Seite:Erzählungen vom Oberharz in Oberharzer Mundart von Louis Kühnhold – Heft 5.pdf/21

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal korrekturgelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.

     „Ach, Freilein!“ schpricht’r, un „liebe Fra,
Ich bin nett d’r Richtige, ich kumm gans weit ha!“
Die Geschicht ward’ne immer bunter

120
Un machtig läft d’r Schäß anne[1] runter,

Dänn wie die Daam ihn schprach’n häert,
Do ward se nu arscht richtig beschmäert.

     Nu dänkt’r, wänns ämool soll sein,
Su beiß ich in dan Eppel[2] nein,

125
Un vorwarts gitt’s ohne Ruh un Rast,

Fest helt’r am Arm die sieße[3] Last,
Doch ändlich ward’s doch zu viel,
Die Daam fiehrt’ne aus dan Gewiehl.

     Sie brängt ne in än Zimmer unscheniert,

130
Haar fiehlt sich orndig driewer geriehrt,

Zum Dank beschtellt’r äne Flasch Wein
Un schpricht zu daar Daam: „Ach, wärscht Du mein!“
Haar schwäert von Lieb von ewiger Trei,
Sie klinge aan mit de Gleeser derbei,

135
Haar moog[4] nett wieder in dan Getimmel,

Su glicklich fiehlt’r sich wie im Himmel.

     Nu ward’r vuller Iwermuth,
D’r Wein reegt’ne auf sei Blut
Un immer will die Daam noch trinken,

140
Rasch muss’r schteets d’n Kellner winken.

Ach, saat’r: „Ower disser Unterschied,
In Trinken zwischen meiner Karline un disser Daam beschtieht!“

     „Karline!“ Ach bei diss’n Wort,
Is gleich sei Rausch un Iwermuth fort.


  1. anne = an ihm.
  2. Eppel = Apfel.
  3. sieße = süße.
  4. moog = mag.

Anmerkungen (Wikisource)