Seite:Erzählungen vom Oberharz in Oberharzer Mundart von Louis Kühnhold – Heft 5.pdf/24

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     Seit dan Obschied waar vergange längere Zeit,
„’s wäärn Schlachten geschlaan“, saaten viele Leit,
Doch beschtimmt kunnte Käner woß saan,

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Dänn Nochrichten kame schpaarlich[1] aan.

Telegraph oder äne Bahn goobs nett wie jetzt,
Drim kam ’s Reiste hie haar[2] zuletzt.

     Waar hette sich jetzt zu singe hie getraut,
Drim waar Jeder verblifft wie Gesang hie wuur laut,

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Un äne Orgel wuur geschpielt, dazu gesunge mit Baßton:

„Du hast die schönsten Augen“, un schließlich: „Hat ihn schon!“

     Kaum waarn die Lieder nu verklunge,
Su wuur rasch wieder ä Anners gesunge,
Un dis waar hie ganz nei,

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Drim schtröömten[3] a viele Mänschen herbei,

Un daar Orgelmann sieht sich pletzlich imringt
Von Vielen, wu Jeder mit pfeift oder singt.

     Bei daar Orgel waar noch ä schienes Bild,
Un domit is dan Meesten ihr Kummer geschtillt,

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Dos Bild zeigt nämlich, wie sich macht

Dos Schrecken im Krieg, äne blutige Schlacht.[WS 1]

     Haar zeigt mit sän Schtock of Freind un Feind
Un noch äner Schtadt, wu äs Feier noch scheint.
Derzu singter mit sän tiefen Baß

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Aene Melodie, daß Viel’n de Aang[4] waarn naß.


     Haar hette wull nu noch länger gesunge,
Wänn nett Mehre wäärn inne gedrunge,


  1. schpaarlich = spärlich.
  2. haar = her.
  3. schtröömten = strömten.
  4. Aang = Augen.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. , durch . ersetzt