Seite:Erzählungen vom Oberharz in Oberharzer Mundart von Louis Kühnhold – Heft 7.pdf/2

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Anno 48.
III. Noch d’r Militärzeit.


     Oed’ un schtille waarsch jetzt in Schtroßen,
Kä Singnaal, kä Marsch wuur meh’ geblosen,
Käne Trummel wuur jetzt meh geriehrt
Seit dan dos Militär waar ausmarschiert.

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Mit gesänkten Blick un langsame Schritt

Ging Jeder jetzt hin nog Grub’ un Hitt’, —
Un viele hie gaar von de Leit
Winschten zurick die harrliche Zeit.

     „Ach Gott!“ saten Viele, „’s waar doch änklich schien,

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M’r kunnte dreist aus d’n Haus do giehn,

M’r fiehlte sich beruhigt in Hitt’ un Schacht,
Weil m’r wußte, derhäm wuur Alles bewacht;
Ower jetzt ward mit Angst un Bange
Jeden Tog hin zu d’r Arbt[1] gegange.

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Wie gaarn arbte m’r in Schacht un vorn Feier,

Wißte m’r schteets, dasses derhäm wäär geheier!“

     Betriebt waar nu a ’s weibliche Geschlacht[2],
Die fanden sich zuarscht gaar nett zuracht;
Sie sozen[3] oft Schtunne lang, un unterdass’n

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Waar äs Ass’n verbrännt oder ganz vergass’n.

Un fruug dänn d’r Mann mit arnsten Gesicht:
„Na Altes, wos hoste dänn aangericht?“
„Kalte Kich!“ seifzte de Fra dänn schwäär, —
„Ach Alter, uns fahlt äs Militär!“


  1. Arbt = Arbeit.
  2. Geschlacht = Geschlecht.
  3. sozen = saßen.

Anmerkungen (Wikisource)