Seite:Erzählungen vom Oberharz in Oberharzer Mundart von Louis Kühnhold – Heft 7.pdf/4

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Nu will ich doch ämool All’n hie zeing,
Daß m’r kä Pfusch’r is in Blosen un Geing[1],

55
Un daß zu dan marschiern in Schtroßen

Mier a känne än Marsch ämool blosen!“

     Su sozen[2] korz d’rauf Alle hie vorn Thiern[3]
Un wollten aam[4] dos alte Thema berieh’rn,

60
Do erklang dän pletzlich mit lauten Klang

Marschmusik dorring gansen Sanc[5].
Verschreckt guckte Aener d’n Annern aan,
Käner kunnte ä Wort raussaan,
Bis dasses erklang gebroch’n un schwäär:

65
„Paßt auf, jetzt kimmt Mi—mi—militär!“


     D’r Bann waar gebroch’n, Käner war zu halten,
Zwischennanner loff’n die Junge un die Alten,
In Hämdsarmel, blusen Kopp oder Kamisool, —
Die Schtroßen wuurn nu gaar zu schmool[6].

70
’s schriern de Fraans, de kinner, de Männer,

D’r Langsamste wuur un zum Ränner, —
Un dohaar waar die Teisching[7] gans enorm
Wiese soong, ’s waar Schtadtkapelle mit’n Schwarz von Thorm.

     „Leit[8]“, schproch’r, wehmietig un orndig geriehrt,

75
„Ich hoob Eich änklich aam aangefiehrt, —

Ihr glääbte[9] sich’r, daß mit Sang un Klang
Militär dan Schtroßen zug entlang.


  1. Geing = Geigen.
  2. sozen = saßen.
  3. Thiern = Thüren.
  4. aam = eben.
  5. Sanc = Sanct Andreasberg.
  6. schmool = schmal.
  7. Teisching = Täuschung.
  8. Leit = Leute.
  9. glääbte = glaubte.

Anmerkungen (Wikisource)