Seite:Erzählungen vom Oberharz in Oberharzer Mundart von Louis Kühnhold – Heft 8.pdf/11

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Bei daar Aanreed[1] schwull uns d’r Kamm,
Drim erwiderte unner Kassenfihrer schtramm:
„Ach, kännt’ ich mool de Weinkart’ krieng?

135
Ich will se arschtemool iewerflieng!“


     In Aller Eil’ waarsche gebracht
Un wuur von uns richtig betracht; —
Je länger daß miersche besoong[2],
Je meh ergriff uns Misbehoong[3].

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Dänn d’r Kellner schtand noch un lauerte

Un schittelte mit d’n Kopp, doos zu lang ihn dauerte;
Doch ändlich warer doch verdufft
Un rasch wuur ä Annerer gerufft.

     Wierer nu an annern Tisch troot draan,

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Funge mier zu beschtell’n aan:

„Sechs Zahnporl[4], d’n „Hannoverschen Curier“,
’s Annerschbarsche Woch’nbloot, äne Flasch Bier,
Aene Porzion Kaffee, sechs Tass’n derbei,
Un vor 20 Pfäng Feinbeckerei!“ —

150
„Halt“, flisperte Aener, „jetzt nischt meh’, —

Guckt arschtemool in unnern Portmane!“

     Kaum hatte d’r Kellner dis gehäert[5];
Do warer fort, un wieder eilig gekäert[6];
Dänn es Meeste hatt’r außern Ass’n

155
Gans un gaar wieder vergass’n.

„Zahnporl, Zahnporl?“ huurn mierne saan,
Un guckte uns derbei gans komisch aan.
Mier wiederhooltens, un jetzt ginger fort,
Un schittelte fortwaor’nd mit d’n Kopp.


  1. Aanreed = Anrede.
  2. besoong = besahen.
  3. Misbehoong = Mißbehagen.
  4. Zahnporl = Zahnstocher.
  5. gehäert = gehört.
  6. gekäert = gekehrt.

Anmerkungen (Wikisource)