Seite:Erzählungen vom Oberharz in Oberharzer Mundart von Louis Kühnhold – Heft 8.pdf/16

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Wie gesunge wuurn of’s Neie wieder

45
Im Fald un Wald de schänsten Lieder,

Wie wieder wuurn in Friehlingspracht
Im Harz de schänsten Tuurn gemacht.

     Unnere Freinde aus d’r Winterschzeit
Machten sich dorim zu daar Tuur bereit;

50
Sie besproong un beschloss’n nu die Tuur

Un schtimmten Alle vor Kutschenfuhr.
Im gewiß zu hanneln[1] zu dan Tog,
Belegtense dos Geschpann mit Beschlog, —
Un waarn zufrieden in jeder Weis’,

55
An meerschten[2] iewer dan billing Preis.


     [WS 1]Daar Tog brooch[3] aan, un Alle waarn bereit
Un lauerten of d’r Obfahrtszeit;
Sie trot’n nu Alle an d’n Woong[4]
Un arschtemool dos Geschpann befoong[5].

60
Sie waarn nu gleich mit von Nutzen

Un hollefen mit bei d’n Putzen,
Bis daß es Pfaar waar su blank,
Wie kä Zwätes hie in d’n Sanc.

     „Ach guckt!“ schprooch Aener. „Dis is ower schood[6],

65
Do is ju wos an Hinterrood!

Dos wackelt ju hin un haar,
Dis paßt doch nett zu dan Pfaar.
Paßt auf, wänn mier waarn lackiert, —
Daß uns etwa wos passiert.

70
M’r sollte änklich[7] nett draan glääm[8], —

Ich hatte nämlich än schlachten Trääm[9]!“


  1. hanneln = handeln.
  2. meerschten = meisten.
  3. brooch = brach.
  4. Woong = Wagen.
  5. befoong = befahren.
  6. schood = schade.
  7. änklich = eigentlich.
  8. glääm = glauben.
  9. Trääm = Traum.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Absatzeinrückung korrigiert