Seite:Erzählungen vom Oberharz in Oberharzer Mundart von Louis Kühnhold – Heft 8.pdf/3

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     Un kaum erklang ’s letzte Wort,

Wie de Kugel aus d’r Bichs waar Jeder fort, —
Un gaar nett lang, do kunnte m’r sah’n
Im besten Schtaat de Männer un Fraan,
Un wie schließlich gruße Schaar’n

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Jetzt vuller Frääd zusamme waar’n.

Do gings dänn luuß, dos gruße Laam[1]:
’s Taufen im Johannesbaam[2].

     ’s dauerte jedoch gaar nett lang,
Do verschtummte pletzlich d’r Gesang,

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Un ängstlich trot Aener an Annern d’raan

Wie de Musik fung de Polenäse aan.
Viele hatten sich nu gleich verdufft,
Von Annern wuur wieder gerufft:
„Die kann ich nett, ach, ich armer Tropp,

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Kaum kaum mittansen beim Galopp!“


     „Na Junges!“ huur[3] m’r sachte Aen saan,
„Nu schtellt Eich ower nett bockladern[4] aan;
Kummt Alle jetzt haar hie ämool,
Mier bitten die Harrn aus Clasthool[WS 1]

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Un freeng[5], ob se die Giet[6] nett haan[7]

Un fiehr’n de Polenäse aan.
Ae Jeder gitt von uns dänn acht —
Un mach’ns, wie uns ward viergemacht!“

     Die Angst hatte sich jedoch arscht geleegt

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Wie die bei dann Harrn waar aangefregt;

Un mannich Gesicht waar ordndig verkläärt
Wiese die Zusoog[8] hatten gehäert[9].


  1. Laam = Leben.
  2. Johannesbaam = Johannesbaum.
  3. huur = hörte.
  4. bockladern = unbeholfen.
  5. freeng = fragen.
  6. Giet = Güte.
  7. haan = haben.
  8. Zusoog = Zusage.
  9. gehäert = gehört.

Anmerkungen (Wikisource)