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colonisiert, die Phönicier, die Griechen, die Römer, – und nicht das geringste, sondern vielleicht das gesuchteste Colonisationsvolk waren gerade die Juden, deren Colonien ohne Zahl über den ganzen Erdboden verbreitet waren und den Aposteln und Evangelisten die erwünschtesten Anknüpfungspunkte auch für die Mission unter den Heiden boten.

 Wenn uns nun dergleichen Betrachtungen und Vergleichungen den übermäßigen Schauder vor der Auswanderung nehmen, so müßen wir nur wünschen, daß unsre Auswanderer, namentlich die, welche nach Nordamerika ziehen, von den Colonien und Wanderern der alten Welt etwas lernen, zäh an ihrer Nationalität und allem Guten hangen, was sie aus der deutschen Heimat mitnehmen. Allein das eben ist es, daß sie hier echte Deutsche sind. Unsere Vorfahren drangen in alle europäischen Länder. Aber deutsch gemacht haben sie die Länder und Völker nicht. Ihr Einfluß war mächtig genug, die alten Völker und deren Art zu ändern: aber er war nicht stark genug, um zu verhüten, daß sie nicht selbst umgeändert würden. Allenthalben waren sie ein gutes Ingredienz zur Mischung, – allenthalben entstand durch sie ein Neues, aber eben ein Drittes, was von der deutschen Art eben so abwich, wie von derjenigen, welche die alten Völker hatten. Und so ists auch in Nordamerika. Es ist keine Unmöglichkeit, daß sich in irgend einem günstig gelegenen Winkel Nordamerikas ein kleines Deutschland bilde; aber im Ganzen ist gar nicht anders anzunehmen, als daß in Nordamerika ein Mischvolk entstehen werde – ein anglogermanisches, welches nach der Vorsehung Gottes zu Großem berufen sein kann. Das ist nicht zu vermeiden, – und es fragt sich, ob der Deutsche, der sich hierin so willig finden läßt, seiner Bestimmung mehr entspreche oder mehr widerspreche.

 Bedauerlicher ist eine andere Mischung und Aenderung der auswandernden Deutschen, worin sie auch wieder den alten deutschen Wandervölkern gleichen. Die Deutschen verloren gerne, wohin sie kamen, ihre Bildung und Religion, und nahmen die

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Diverse: Fünf Festreden der Gesellschaft für innere Mission. Joh. Phil. Raw’sche Buchhandlung, Nürnberg 1850, Seite 43. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:F%C3%BCnf_Festreden_der_Gesellschaft_f%C3%BCr_innere_Mission.pdf/44&oldid=- (Version vom 28.8.2016)