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I, II, 1909). Vom Pañcatantra existieren im Sanskrit mehrere verschiedene Fassungen, und in beinahe alle indische Volkssprachen übersetzt ist es bis in die Gegenwart als Lesebuch in den indischen Schulen benutzt worden.

In den alten morgenländischen und zum Teil auch in den abendländischen Sammlungen gibt es gewöhnlich eine gemeinsame, verbindende Rahmenerzählung, an welche sich die einzelnen Erzählungen oder Erzählungsgruppen anknüpfen. In Pañcatantra hat jedes Buch seine eigene Rahmenerzählung. Der Zweck des Werkes ist, den jungen Fürsten nötige Unterweisungen und Ratschläge zu geben. Ein indischer König Amaraçakti, so wird am Anfang des Werkes erzählt, hatte drei sehr einfältige Söhne, wegen deren Erziehung der Vater sehr bekümmert war. Er versammelte eines Tages seine Ratgeber, um mit ihnen über die Zukunft seiner Söhne zu beraten. Einer von diesen, der 80-jährige Wishnuçarman, erbot sich, binnen sechs Monaten die Söhne des Königs in der Lebensweisheit klüger als alle anderen zu machen. Zufrieden überliess der König seine Söhne dem klugen Erzieher, und dieser schrieb für sie die fünf Bücher des Pañcatantra, durch deren Lektüre die Söhne sich im Laufe der bestimmten Zeit wirklich als kluge und wohlerzogene Prinzen entwickelten.

Aus dem ursprünglichen Zweck des Pañcatantra erfolgt, dass es seiner Art nach hauptsächlich didaktisch ist. Die meisten der Erzählungen, deren es in der von Benfey übersetzten Fassung 84 gibt, sind Tierfabeln, aber unter den Fabeln trifft man auch eigentliche Märchen.

Die Erzählungen des Pañcatantra gingen als mehr oder weniger freie Übersetzungen in viele sowohl morgen- als abendländische Literaturen über. Im 6. Jahrhundert n. Chr. wurde die Sammlung schon in die persische Kultursprache Pehlevi übersetzt, und diese neue Fassung wieder um die Wende des 6. und 7. Jahrhunderts ins Syrische und im 8. Jahrhundert ins Arabische. Ihren Namen erhielt sie von

Empfohlene Zitierweise:
Antti Aarne: Übersicht der Märchenliteratur. Suomalaisen Tiedeakatemian Kustantama, Hamina 1914, Seite 2. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:FFC14.djvu/6&oldid=3309908 (Version vom 31.7.2018)