Seite:Faust I (Goethe) 015.jpg

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Wer ruft das Einzelne zur allgemeinen Weihe?
Wo es in herrlichen Accorden schlägt,

150
Wer läßt den Sturm zu Leidenschaften wüthen?

Das Abendroth im ernsten Sinne glühn?
Wer schüttet alle schönen Frühlingsblüten
Auf der Geliebten Pfade hin?
Wer flicht die unbedeutend grünen Blätter

155
Zum Ehrenkranz Verdiensten jeder Art?

Wer sichert den Olymp? vereinet Götter?
Des Menschen Kraft im Dichter offenbart.

Lustige Person.
So braucht sie denn die schönen Kräfte
Und treibt die dicht’rischen Geschäfte,

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Wie man ein Liebesabenteuer treibt.

Zufällig naht man sich, man fühlt, man bleibt
Und nach und nach wird man verflochten;
Es wächst das Glück, dann wird es angefochten,
Man ist entzückt, nun kommt der Schmerz heran,

165
Und eh man sich’s versieht ist’s eben ein Roman.

Laßt uns auch so ein Schauspiel geben!
Greift nur hinein ins volle Menschenleben!
Ein jeder lebt’s, nicht vielen ist’s bekannt,

Empfohlene Zitierweise:
Johann Wolfgang von Goethe: Faust - Der Tragödie erster Teil. Tübingen: Cotta. 1808, Seite 15. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Faust_I_(Goethe)_015.jpg&oldid=2887594 (Version vom 18.8.2016)