Seite:Ferdinand Wilhelm Weber - Kurzgefaßte Einleitung in die heiligen Schriften (11. Auflage).pdf/299

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und lädt alle Mühseligen in seine Arme (25–30). In c. 12 erreicht der innere Gegensatz der Pharisäer gegen Jesum seinen Höhepunkt. Sie treten ihm entgegen als Hüter der Heiligkeit des Sabbats, er aber nimmt seine Jünger in Schutz und verteidigt sein Recht am Sabbath zu heilen (12, 1–21). Als sie sich bis zu der Lästerung versteigen, daß Er seine Wunder im Bunde mit dem Teufel verrichte, warnt er vor der Sünde wider den heiligen Geist, welche nicht vergeben wird (15–37).

 Die Forderung eines Zeichens beantwortet er mit dem Hinweis auf das Ergehen des Jonas und weissagt dem Volk, das sich durch seine Gnadenheimsuchung nicht zu gründlicher Buße hat führen lassen, ein schlimmes Ende (38-45). (Der Besuch der Seinigen (46–50) steht mit dem Vorhergehenden wohl nur in zeitl. Zusammenhang.)

 Er ändert nun seine Lehrweise; er redet zwar noch zu dem ganzen Volk, aber in Gleichnissen, die dem stumpfen Hörer die Wahrheit verhüllen, den lern- und heilsbegierigen aber reizen, in ihr Verständnis einzudringen (13, 10–17). Sämtliche Gleichnisse beleuchten, ein jedes von einer anderen Seite, das Wesen des Himmelreichs. Das erste zeigt in der verschiedenen Beschaffenheit des menschlichen Herzens den Grund, warum das Wort vom Reich nur teilweise Aufnahme findet und Frucht bringt (13, 1–9 und 18–23); das zweite die Mischgestalt des Himmelreichs, die in diesem Aeon, wo neben göttlichen Kräften auch satanische wirken, getragen werden muß (24–30 und 37–43); das dritte und vierte weist auf das äußere Wachstum des Reiches aus kleinen, verborgenen Anfängen und seine alles von innen aus umgestaltende Lebensmacht hin (31–33); das fünfte und sechste zeigt es in seinem alle irdischen Güter überragenden Wert (44–46); das siebente verheißt die Aufhebung der Mischgestalt des Reiches und die Darstellung der Gemeinde in ihrer Reinheit nach dem Endgericht (47–52).

 Auch in Nazareth, wo man ihn gut genug zu kennen glaubt und sich für seinesgleichen hält, wird er verworfen (53–58).

 VI. Jesus zieht sich aus der Öffentlichkeit zurück c. 14, 1–16, 12. Jesus zieht sich auf die Nachricht, daß Herodes, der Mörder des Täufers (14, 1–12), auf ihn aufmerksam geworden sei, in die Einsamkeit zurück, wo er die 5000 speist (13–21), sodann den Jüngern auf dem Meere, die ihn fern glauben, seine hilfreiche Gegenwart erweist, und ihnen, sonderlich dem Petrus, den Glauben stärkt (22 ff.).

 Die Schriftgelehrten und Pharisäer, die wegen Nichtbeachtung der traditionellen Reinigungsgebräuche seitens seiner Jünger mit ihm rechten, straft er wegen ihrer heuchlerischen Gesetzlichkeit (15, 1–9), klärt Volk und Jünger über Unreinigkeit auf (10–20), und begibt sich aus dem jüdischen Lande weg, in die heidnische Gegend von Tyrus und Sidon. Hier heilt er, von der Demut und kühnen Geistesgegenwart ihres Glaubens bezwungen, die Tochter der Kananäerin (21–28). – Von hier wieder zurückgekehrt, heilt er viele Kranke und speist die Viertausend (29–39). Trotzdem begehren die Pharisäer und Sadducäer