Seite:Ferdinand Wilhelm Weber - Kurzgefaßte Einleitung in die heiligen Schriften (11. Auflage).pdf/23

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die h. Schriften des Volkes Israel als die Schriften des A. Bundes oder kurzweg als den Alten Bund oder das Alte Testament, eine Benennung, die bis jetzt eine allgemeine in der Kirche geblieben ist, während die Juden sie Mikra, das Buch der Lesung (Anagnose), oder Tenach, d. i. T(hora), N(ebiim), Ch(etubim), oder nach der Zahl der Bücher die 24, oder das Buch der 24 heißen.


§ 6.

 Das Gesetz (Thora) besteht aus den fünf Büchern Moses und bildet ein Ganzes für sich; die Propheten sind teils „frühere“, teils „spätere“; jene sind die Geschichteschreibenden, diese die weissagenden. Die prophetischen Geschichtsbücher sind die Bücher Josua, Richter, Samuelis und der Könige. Die Weissagungsbücher zerfallen wieder in die großen und kleinen Propheten, welche letztere ein Buch für sich (das Zwölfprophetenbuch) bilden. Die übrigen Schriften werden der herrschend gewordenen Aufeinanderfolge nach im hebräischen Kanon folgendermaßen aneinandergereiht: Psalmen, Sprüchwörter, Hiob; Hoheslied, Klagelieder, Ruth, Prediger (Koheleth), Esther (welche fünf letzteren die Megilloth heißen); endlich Daniel, Esra, Nehemia, Chronik. – Die Zählung der Bücher des A. T.s ist verschieden. Die alexandrinische Übersetzung LXX (s. § 18) zählt 22 Bücher, parallel den 22 Buchstaben des hebräischen Alphabets. So bezeugen es Josephus, Melito von Sardes, Origenes und noch Hieronymus. In den babylonischen Schulen aber zählte man 24, und diese Zählung wurde dann die unter den Juden bräuchliche. Esra und Nehemia gelten als ein Buch, Ruth wird in LXX zum Richterbuch, die Klagelieder werden zum Weissagungsbuch des Jeremia gefügt.


§ 7.

 Der Kanon ist in der Gestalt, welche er bei seinem letzten Abschluß hatte, unter den palästinischen Juden unverändert erhalten worden, wenn gleich darüber in den Schulen später gestritten ward, ob das Buch des Ezechiel, die Klagelieder, besonders das Hohelied, die Sprüche und Koheleth nicht dem öffentlichen Gebrauche zu entziehen seien. Dagegen hat die alexandrinische Übersetzung (s. § 18) der Vermischung von Kanonischem und Nicht-Kanonischem dadurch Vorschub geleistet, daß sie auch nachkanonische Schriften von großem