Seite:Ferdinand Wilhelm Weber - Kurzgefaßte Einleitung in die heiligen Schriften (11. Auflage).pdf/27

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§ 13.

 Die Erhaltung der Kenntnis dieser Sprache verdanken wir der Schriftgelehrsamkeit, welche seit Esra im jüdischen Volke gepflegt ward. Während das Volk das Alt-Hebräische mehr und mehr vergaß, und in Palästina der aramäischen, unter den Griechen aber der griechischen Übersetzung bedurfte, bewahrten und förderten die Schriftgelehrten in ihren Schulen die Kenntnis der h. Sprache mit großem Eifer. Die bedeutendsten Schulen der Gelehrten waren bis zur Zerstörung Jerusalems in Jerusalem; dann wanderten sie aus nach Jamnia, Lydda und vorzugsweise Tiberias, während gleichzeitig mit der palästinischen Schriftgelehrsamkeit die unter den babylonischen Juden gepflegte wetteiferte. Als mit dem Sturze des Chalifats die babylonischen Schulen sich auflösten, verpflanzte sich die Sprache und Schriftkenntnis derselben nach Nordafrika und Spanien: aber auch die Massorethenschule in Tiberias übte einen tiefeingreifenden Einfluß.

 Innerhalb der Kirche waren Origenes und Hieronymus im Altertume fast die einzigen Träger hebräischer Sprachkunde. Im Mittelalter finden wir sie nur bei jüdischen Proselyten und wenigen ihrer Schüler; in der Reformationszeit aber zündeten Joh. Reuchlin und Seb. Münster, die Schüler jüdischer Lehrer, die Fackel hebräischer Sprachkenntnis für die gesamte Kirche an. Mit ihnen beginnt die Wissenschaft hebräischer Grammatik und Lexikographie, und die A.T.liche Schriftauslegung gewinnt die von Luther ersehnte grammatische Grundlage.




Kap. 3.
Von der hebräischen Schrift und der Überlieferung des Textes.

§ 14.

 Wie die Sprache, so hatten die Israeliten auch die Schrift mit den Völkern Kanaans, insonderheit den Phöniziern, gemein. Diese Schrift fanden die Patriarchen vielleicht schon vor, und ihre Kenntnis kann in der Patriarchenzeit zufolge Gen. 38, 18 mit Wahrscheinlichkeit, zur Zeit Moses aber mit voller Gewißheit vorausgesetzt werden. Man schrieb auf Steine, Metall, Holz und Tierhäute. Ps. 45, 2 deutet auf Schnellschreiber, was ebenso auf wohlbereitetes Material, als auf große Schreibfertigkeit hinweist. Diese ursprüngliche