Seite:Ferdinand Wilhelm Weber - Kurzgefaßte Einleitung in die heiligen Schriften (11. Auflage).pdf/289

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Edessa eine Übersetzung (die sog. Peschittho, d. i. einfache, wortgetreue). Sie zeichnet sich durch wörtliche Treue aus und ist bis zur Stunde im kirchlichen Gebrauch der Syrer. Die Monophysiten ließen (508) eine andere anfertigen, welche die Philoxeniana heißt.[1] Nicht viel später bekam Ägypten sein N. Testament. Hier entstand aus der Mischung der alten ägyptischen und der seit Alexander M. eingedrungenen griechischen Sprache eine neue Landessprache, das Koptische. Es zerfällt in mehrere Dialekte; in jeden derselben ist das N. Testament übersetzt worden. Äthiopien bekam seine Übersetzung durch den Gründer seiner Kirche, durch Frumentius (4. Jahrh.). Von Syrien aus drang mit dem Christentum auch das N. Testament nach Armenien; man gebrauchte hier zuerst die syrische Übersetzung, bis Miesrob (410) eine armenische herstellte. Den Armeniern folgten die Georgier; ihre Bibelübersetzung stammt aus dem 6. Jahrhundert. – Seit dem Siege des Islam wurde bei all den genannten Völkern das Arabische die Volkssprache, deshalb mußten neben den alten schon im 7. und 8. Jahrhundert neue arabische Übersetzungen entstehen, um das Bedürfnis des Volkes zu stillen. Jedoch gibt es auch eine altpersische.


§ 66.

 Der altchristliche Westen hatte eine Sprache für die Gebildeten: das Griechische. Deswegen trat hier das Bedürfnis einer Übersetzung nicht sogleich hervor, um so mehr, als es jederzeit solche gab, die das Griechische sofort ins Lateinische übersetzten. Aber als die Gemeinde an solchen wuchs, die das Griechische nicht verstanden, mußten auch lateinische Übersetzungen entstehen. Dies geschah schon frühe. Die gebräuchlichste derselben war die (alte) Itala, wie Augustin, oder die (alte) Vulgata, wie man in Italien selbst sie nannte. Aber der Text wurde so verderbt, daß Verwirrung entstand, und Hieronymus mußte ihn auf Befehl des Bischofs Damasus verbessern (384). Er stellte den alten Text nach Möglichkeit her und änderte nur, wo entschieden falsch übersetzt war, aber zuletzt war die verbesserte Vulgata doch eine neue Bibel, und das Volk, ja auch ein


  1. In ihr fehlt Joh. 8, 1–11 und 1 Joh. 5, 7. 8, wie auch in der Peschittho.