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Liste.png Frances Külpe: Rote Tage : baltische Novellen aus der Revolutionszeit

Dann nahm er eine Handvoll Schnee und begann ihm die Schläfen zu reiben.

Die Augenlider des Lehrers zuckten. Mit einer gewissen ingrimmigen Schadenfreude rieb der Pope stärker und stärker.

„Geh, hol’ Branntwein!“ herrschte er den Jungen an. „Stepan Nikolaitsch lebt!“

In großen freudigen Sprüngen sauste Krisch in den Flecken zurück.

Verwirrt schlug der Lehrer die Augen auf. „O Wally“, murmelte er schmerzlich ... „Der Baron ...“

Gierig sog der Pope die geflüsterten Worte ein. – Der Baron! hatte er gesagt. Der Baron harte ihm etwas zu Leide getan!

Er rüttelte den noch nicht völlig Erwachten hart.

„Du wirst den Baron totschießen“ – sprach er gedämpft und eindringlich. Es klang wie ein hartes Kommando.

Stepan Nikolaitsch taumelte empor. „Ich werde – den Baron – totschießen –“ murmelte er dumpf. Der Kopf fiel ihm schwer zur Seite.

Der Geistliche riß ihn empor und stellte ihn auf die Füße.

„So!“ sagte er, „Stütze Dich nur fest auf mich. Du kannst stehen.“

„Ich kann stehen“ – wiederholte Stepan Nikolaitsch willenlos.

Sie gingen einige Schritte. Der Geistliche überlegte. Da sah er eine kleine Gestalt in eiligem Laufe auf sich zukommen.

Empfohlene Zitierweise:
Frances Külpe: Rote Tage : baltische Novellen aus der Revolutionszeit. S. Schottländers Schlesische Verlagsanstalt, Berlin 1910, Seite 173. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:FrancesKuelpeRoteTage.pdf/171&oldid=- (Version vom 1.8.2018)