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Liste.png Frances Külpe: Rote Tage : baltische Novellen aus der Revolutionszeit

In schlankem Trabe fuhren sie an dem ausgedehnten Park vorüber in eine weite Ebene hinein. Da liefen drei Gesellen mit geschwärzten Gesichtern quer über den Weg; die Pferde scheuten und sprangen jäh zur Seite.

„Hallo – he!“ rief Granting zornig. „Wer da?“

„Halt’s Maul, du Herrenknecht!“ war die heisere Antwort. Ein Stein flog um Handbreite an Grantings Kopf vorüber.

„Ruppiger Teufel!“ schimpfte der Kutscher und faßte die Zügel fester. Die Peitsche sauste auf die Füchse nieder, da flog der Wagen in die nächtige Waldesstille hinein.

„Das war ja ein Überfall!“ murmelte Claire scheu.

Ernst Philippi saß mit düster gerunzelten Brauen. „O Claire, wie soll ich Sie hier auf dem Lande zurücklassen?“

„Ich bin ja keine Vollblutdeutsche,“ tröstete sie lächelnd, „mir wird man am wenigsten etwas anhaben. Meine Mutter war griechisch-orthodoxer Konfession, obgleich sonst gut deutsch gesinnt, denn meine Großmutter mütterlicherseits war Russin.“

Ernst Philippi fuhr auf. „Wie?“ rief er. „Sind Sie also auch griechischer Konfession?“

„Den Landesgesetzen nach – ja,“ sagte sie einfach, „der Überzeugung nach – nein. Ich fürchte, ich war längere Zeit ziemlich religionslos“, fügte sie traurig hinzu, „erst die letzten Jahre haben mich in ein persönliches Verhältnis zu Gott geführt.“

Empfohlene Zitierweise:
Frances Külpe: Rote Tage : baltische Novellen aus der Revolutionszeit. S. Schottländers Schlesische Verlagsanstalt, Berlin 1910, Seite 41. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:FrancesKuelpeRoteTage.pdf/41&oldid=- (Version vom 1.8.2018)