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Liste.png Frances Külpe: Rote Tage : baltische Novellen aus der Revolutionszeit

Der Alte stand auf. „Ich würde für Bedeckung sorgen und meinem Sohn mit seinen Freunden nicht schutzlos gegenübertreten,“ sprach er mit einem schönen Lächeln. „Leben Sie wohl, Herr Pastor, der alte Krimpe weiß, was er einem echten Seelsorger schuldig ist!“

Da hielt sich Robert Berger nicht langer, er warf sich an die Brust des Greises und küßte ihn.

Verschämt wischte der alte Mann eine widerspenstige Träne aus dem Auge und ging schwerfällig hinaus.

„Ist das nicht ein herrliches Erlebnis?“ fragte Robert Berger tief aufatmend. „Ein Mann wie aus Stahl und Eisen ... ein echter Freund! Gnade über Gnade!“

Bleich und erschüttert stand Ernst Philippi. „Robert,“ sprach er mit tonloser Stimme, „von dir will ich lernen, Menschen fischen. Das ist fortan mein Beruf!“


*     *     *


Eine Reitdroschke, von einem nervigen Fuchs gezogen, riß schwarze Furchen in den frischgefallenen Schnee. Die Beine auf das Trittbrett gestemmt, eine Fellmütze über die Ohren geschoben, saß Ernst Philippi rittlings auf dem schmalen leichten Fuhrwerk und lenkte die Zügel mit fester Hand.

In der Tasche seines grauen Friesrocks steckte der Revolver. Sein bartloser Schauspielerkopf leuchtete von Tatkraft und Entschlossenheit. Nun war er auf der Bühne des Lebens, und er

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Frances Külpe: Rote Tage : baltische Novellen aus der Revolutionszeit. S. Schottländers Schlesische Verlagsanstalt, Berlin 1910, Seite 65. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:FrancesKuelpeRoteTage.pdf/65&oldid=- (Version vom 1.8.2018)