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Liste.png Frances Külpe: Rote Tage : baltische Novellen aus der Revolutionszeit

gedachte seine Rolle mit Ehren durchzuführen. Scharf blitzten die blauen Augen über die weite schneebedeckte Ebene und spürten suchend in die Ferne. Mißtrauisch und vorsichtig musterte er jeden Busch und jeden Strauch und unterzog jedes Bäuerlein, das ihm etwa entgegenkam, einer genauen und gründlichen Prüfung.

Durch eine breite Kastanienallee fuhr er auf ein massives zweistöckiges Herrenhaus zu, das sich gewichtig und imposant von einigen umliegenden Hofgebäuden abhob wie ein geborener Fürst inmitten seiner Untertanen.

Ein Hofknecht trat ihm in gebückter Haltung entgegen und küßte ihm devot die Hand.

„Ist der Herr Baron zu Hause?“ fragte Philippi.

„Jawohl, gnädiger Herr.“

Ernst Philippi stieg die breite Freitreppe empor und drückte auf den elektrischen Knopf.

Ein alter Diener öffnete und blickte mißbilligend auf den grauen Friesrock.

„Melden Sie mich bei dem Herrn Baron Reuter – Kandidat Philippi aus Kronenthal.“

„Aus Kronenthal,“ wiederholte der Diener. „Sofort, gnädiger Herr. Bitte treten Sie ein.“

Ernst Philippi entledigte sich seines Überrocks und trat in das komfortable Gemach. Alte Familienbilder in schweren vergoldeten Rahmen blickten in gezierten Stellungen von den Wänden.

Empfohlene Zitierweise:
Frances Külpe: Rote Tage : baltische Novellen aus der Revolutionszeit. S. Schottländers Schlesische Verlagsanstalt, Berlin 1910, Seite 66. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:FrancesKuelpeRoteTage.pdf/66&oldid=- (Version vom 1.8.2018)