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gnädige Frau. Nicht hoffnungslos –“ fügte er rasch hinzu.

Claire stand neben der unglücklichen Frau. „Isa,“ flüsterte sie, „Mut, Mut! Liebe ist Mut!“

Es folgten schwere Tage und furchtbare Nächte, Minuten voll aufflackernder Hoffnung und Stunden zehrender Qual. Drei Menschen rangen unablässig um das teure Leben, und an einem feucht-schweren grauen Wintermorgen war die Krisis vorüber.

Wieder stand Doktor Sartorius vor dem Lager des Kranken. Ein ernstes Lächeln glitt über seine spitzen Züge. „Ich gratuliere Ihnen, gnädige Frau,“ sprach er, „der Pastor ist vorderhand außer Gefahr.“ Damit begaben sie sich in Robert Bergers Arbeitszimmer.

Schmerz läßt sich ertragen, unerwartete Freude aber ist häufig der überquellende Tropfen im Becher des Leides.

Schwer glitt Isa Bergers Haupt vornüber auf den Schreibtisch ihres Mannes. Sie lag in tiefer Bewußtlosigkeit. Als sie wieder zu sich kam, mußte sie weinen wie ein kleines Kind.

Der Doktor ließ sie ruhig ausweinen. „Gnädige Frau,“ sagte er, „ich bin noch nicht zu Ende. Die akute Gefahr ist beseitigt, aber ich darf Ihnen nicht verschweigen, daß Sie jetzt nicht hier im Norden bleiben dürfen. Sie müssen in den Süden, und zwar so bald als möglich. Die Lunge Ihres Gatten ist angegriffen.“

Entgeistert sah Isa Berger den Doktor an. „Ich verstehe

Empfohlene Zitierweise:
Frances Külpe: Rote Tage : baltische Novellen aus der Revolutionszeit. S. Schottländers Schlesische Verlagsanstalt, Berlin 1910, Seite 97. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:FrancesKuelpeRoteTage.pdf/97&oldid=- (Version vom 1.8.2018)