| Hugo Friedländer: Interessante Kriminal-Prozesse von kulturhistorischer Bedeutung, Band 7 | |
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– Angekl.: Meine Gelder stammten nicht vom Spiel her, sondern vorwiegend durch mein Rennpferd „Hagelschlag“ und durch Gewinne an einer Spielbank in Namur und Monte Carlo. An letzterem Orte habe ich nachweisbar 20 000 Francs auf einen Schlag gewonnen. Ich habe mit meinen Rennpferden – es liefen noch zwei andere Pferde unter meinem Namen – etwa 8000 Mark vom Rennplatze, außerdem 10 000 Mark durch Wetten und auch noch größere Summen am Totalisator gewonnen. – Vors.: Sie haben ein sehr flottes Leben geführt. – Angekl.: Das ist auch sehr übertrieben. – Vors.: Sie haben ein Taschengeld von 110 Mark bezogen und sollen einen Haushaltsetat von jährlich 30 000 Mark gehabt haben. – Angekl.: Durch die Beweisaufnahme wird der sogenannte „Luxus“ sehr zusammenschrumpfen. Mein Vater stand mir stets, wenn ich Geld brauchte, um Spielschulden zu begleichen, hilfreich zur Seite. – Vors.: Sie sollen den schönsten Luxuswagen „Selbstkutschierer“ in Berlin gehabt haben. – Angekl.: Das steht im „Berliner Tageblatt“, darum braucht es aber doch nicht zuzutreffen. Der Wagen und das Pferd, welches ich kaufte, waren keineswegs sehr teuer, ich habe sie sogar mit kleinem Nutzen wieder verkauft. – Vors.: Sie sollen eine luxuriöse Wohnung gehabt haben? – Angekl.: So luxuriös war die Wohnung nicht. Die ganze Einrichtung kostete 6300 Mark, einschließlich der persischen Teppiche, die zu kaufen ich mich eines Tages von einem Herrn beschwatzen ließ. Diese Teppiche mögen auf Herrn v. Manteuffel vielleicht einen so luxuriösen Eindruck gemacht haben. – Vors.: Sie haben sich auch ein Reitpferd gehalten? – Angekl.: Ich habe mir das Pferd für 4000 Mark gekauft; ich sagte mir, ob du das Pferd kaufst oder die 4000 Mark schließlich wieder im Spiel verlierst, kommt doch schließlich auf dasselbe hinaus. – Vors.: Sie sollen auch kostspielige Reisen gemacht haben, nach Monte Carlo, Wiesbaden, Aachen. – Angekl.: In Aachen war ich nicht zu meinem Vergnügen, sondern aus
Hugo Friedländer: Interessante Kriminal-Prozesse von kulturhistorischer Bedeutung, Band 7. Hermann Barsdorf, Berlin 1912, Seite 257. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Friedlaender-Interessante_Kriminal-Prozesse-Band_7_(1912).djvu/261&oldid=- (Version vom 25.12.2024)