Seite:Friedrich Bauer - Christliche Ethik auf lutherischer Grundlage.pdf/179

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Fertig. Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle korrekturgelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.

Vorbild in allen Verhältnissen zum Nächsten. Ihm nach soll unser Sinn und Wesen und Leben erneuert werden, so daß wir immermehr ihm ähnlicher werden und sein Bild in uns verklärt werden möge, oder, was dasselbe ist, daß er in uns Gestalt gewinne (Gal. 4).


2.
Die von Gott geordneten Gemeinschaftsformen, in denen und für die der Christ lebt, und in denen er seine Aufgabe zu erfüllen hat, sie fördernd und von ihnen gefördert, im Wechselverhältnis.


§ 52.
Allgemeines.

 Der Mensch ist zur Gemeinschaft geschaffen; jeder einzelne ist ein Glied derselben und durch von Gott geordnete Bande mit dem ganzen Menschengeschlecht der Gegenwart, der Vergangenheit und der Zukunft verbunden. Jedes Individuum nimmt in dem großen Ganzen der Gemeinschaft seinen besonderen Platz ein und wirkt auf dieselbe fördernd oder hindernd ein, sowie es von derselben fördernde oder hindernde Einwirkungen erfährt. Der Mensch ist in einen beständigen Wechselverkehr mit seinem ganzen Geschlecht gesetzt, das als ein Organismus, als ein lebendig gegliedertes Ganzes erscheint. Der Organismus besteht aber in der Mannigfaltigkeit und ist doch eine Einheit. Diese Mannigfaltigkeit hat in den Grundformen der Gemeinschaft Gott selbst gesetzt. Es sind Unterschiede und Einheiten, welche mit der Natur gesetzt sind, von Gott gesetzte Naturbestimmtheiten. Dahin gehören:

 1. Der Unterschied der Geschlechter und die darauf beruhende Einheit in der Ehe und die aus ihr hervorgehende Familie,

 2. die Stammes-, Volks- und Völkergemeinschaften in ihrer Mannigfaltigkeit und Einheit und die damit gesetzte Gemeinschaft,

 3. die aus der Stammes- und Volksgemeinschaft auf geschichtlichem Wege gewordene, zeitliche Zwecke verfolgende Rechtsgemeinschaft des Staates, ein Produkt freien menschlichen Thuns unter göttlicher Leitung, und endlich

 4. die auf übernatürlicher Offenbarung beruhende, ewige Zwecke im Auge habende, religiöse Gemeinschaft der heiligen Kirche.

 Für die gesonderte Betrachtung eignet es sich, sechs solcher Formen aufzustellen: 1. Ehe, 2. Familie, 3. Volk, 4. Staat, 5. Menschheitsgemeinschaft, 6. Kirche, lauter Formen der Gemeinschaft, die alle entweder