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um an dieser Grenze umzukehren und zu zeigen, daß das im Christentum eine Unmöglichkeit geworden sei, Röm. 9,3; Exod. 32, 32. Nach dem Christentum steht das Wohl der Gesamtheit auf dem wahren Wohl des einzelnen und sind beide Interessen eins. Die Gemeinschaft gewährt dem einzelnen den Mitbesitz, Mitgebrauch und Mitgenuß aller Kräfte, Güter und Gaben, welche die Gesamtheit hat, zur Förderung seines Wohls und zur Erreichung seiner speziellen Aufgabe. Sie legt aber dem einzelnen auch Pflichten und Opfer auf und muß sich durch Zucht gegen Mißbrauch von seiten ihrer Glieder schützen. Die speziellen Tugenden, welche dem Gemeinsinn entsprießen, sind: gegenseitige Achtung und Liebe der Glieder einer Gemeinschaft. Diese Gesinnung wächst nur auf dem Boden des Christentums. – Eine Frucht des Christentums ist die sechste Gemeinschaftsform, die Kirche, welche eine Sonderung und Sammlung, eine Auswahl aus der Menschheit ist, berechnet auf einen ewigen Bestand, während alle andern Gemeinschaftsformen untergehen oder vielmehr verklärt im Reich Gottes wieder erscheinen: die heilige Ehe, die heilige Familie, das heilige Volk Gottes, und in welchem die erlöste und auserwählte Menschheit mit ihrer Mannigfaltigkeit als eine Einheit des Leibes Christi erscheint; in ihm ist das wiederhergestellte und vollendete Bild Gottes im ganzen sowohl, wie auch in seinen einzelnen Gliedern zu schauen.


§ 53.
Die Ehe.

 Die Voraussetzung der Ehe, der Geschlechtsunterschied (cf. § 14). Zur Gottes-Ebenbildlichkeit gehört der mit der Schöpfung gesetzte Unterschied von Mann und Weib. Das Weib trägt ebenso wie der Mann das Ebenbild Gottes an sich. Beide sind bestimmt, dasselbe auf alle ihre Nachkommen fortzupflanzen. Das Ebenbild Gottes erscheint in beiden Geschlechtern in seiner wesentlichen Einheit; denn das Weib ist nicht von geringerer Qualität geschaffen als der Mann; aber das göttliche Ebenbild erscheint in zwei Typen oder Grundformen, in die sich das ganze Geschlecht gleichmäßig teilt. Jedes von beiden Geschlechtern hat seine besondern Gaben, Kräfte und Vorzüge, die sich gegenseitig ergänzen. Beide haben eine gemeinsame, ewige Lebensaufgabe, und sind daher beide vor Gott gleich, Gal. 3, 28; 1. Petr. 3, 7. Alle ohne Unterschied des Geschlechts sind von Christo erlöst und