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der Erziehung anderer. Es läßt sich überhaupt die Erziehung nach ihren Vorzügen und nach ihren Fehlern im einzelnen Fall meist gar nicht oder nicht richtig beurteilen, weil dem Fernerstehenden die Einsicht in die Natur der Eltern, der Kinder und der Verhältnisse fehlt. Was ist aber für fromme Eltern der Trost? Daß diese Fehler in die allgemeine Sündenvergebung mit eingeschlossen sind, und daß Gott der HErr unsere Fehler zu verbessern weiß und es auch wirklich thut, wenn wir ihm die Ehre des Erziehens an unsern Kindern lassen. (Jakobs Familie.) –

 bb. Außer der Erziehung haben die Eltern auch noch die Aufgabe des Unterrichts bei ihren Kindern.

 Diese fällt in erster Linie und, was die ersten Elemente göttlicher und menschlicher Erkenntnis betrifft, den Eltern zu. (Vergleiche, was oben bei der Erziehung von der Aufgabe der Mutter gesagt ist.) Auch im Alten Testament ist diese Aufgabe ausdrücklich den Eltern gestellt, Deut. 6, 7: Die Worte, die ich dir heute gebiete – sollst du deinen Kindern (ein-)schärfen und davon reden, wenn du in deinem Hause sitzest oder auf dem Wege gehest, wenn du dich niederlegst oder aufstehest. (Die Wichtigkeit der gelegentlichen Belehrung!) Diese Pflichterfüllung hat eine wichtige Kehrseite. Sie ist ein treffliches Bildungsmittel für die Eltern (Norwegen): Docendo discimus. Je mehr die Eltern alles der Schule überlassen müssen, desto mehr nimmt die Fähigkeit zu unterrichten und die Lust dazu ab. (Die künstlichen Methoden des Unterrichts.)

 Den Eltern aber kommt zu Hilfe bei Erziehung und Unterricht die Kirche, durch den Religions- und Konfirmandenunterricht. Hier wird vollendet, was im Hause angefangen. Die Kirche muß bei ihren Getauften die Stufe der Erleuchtung zu erreichen suchen, welche zum Seligwerden resp. zum gesegneten Gebrauch der Gnadenmittel notwendig ist. Es ist Pflicht der Kirche, sich der Lämmer der Herde anzunehmen, und die Eltern, die sie zur Taufe gebracht haben, sind schuldig, dieses Werk des kirchlichen Unterrichts an ihnen durch die Kirche vornehmen zu lassen. Aufgabe der Kirche ist es, die Kinder zum klaren Bewußtsein dessen zu bringen, was für Gnade ihnen in der Taufe zu teil wurde. Aller kirchliche Unterricht und alle kirchliche Erziehung gehen von der Taufe aus und von der Annahme, daß das Kind bereits in der Gnade stehe trotz seiner Sünden. Darum muß es zum Glauben an die Vergebung der Sünden und zur Anwendung der