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Unterthanen und treue Ergebenheit der Unterthanen gegen ihren Herrscher: das ist der ideale Zustand der Monarchie; so ist sie freilich allen Verfassungen vorzuziehen.

 Die andere Form der Monarchie ist die konstitutionelle Monarchie. Sie beruht auf dem richtigen Gedanken, daß dem mündigen Teil des Volkes ein Anteil an der Verwaltung und Leitung seiner Angelegenheiten gebühre.

 Die absolute Monarchie stellt an den Herrscher die höchsten sittlichen Anforderungen, wenn sie segensreich wirken soll. Der Herrscher muß von Gottesfurcht, Pflichtgefühl, Achtung der Menschenrechte geleitet und regiert sein. Im andern Fall artet sie aus zur Despotie und wird von den Unterthanen nicht ertragen,

 b) Bei den republikanischen Verfassungen ist die oberste Gewalt nicht in den Händen eines einzelnen, sondern bei der Gesamtheit. Sie erscheint auch in zwei Formen: Aristokratie und Demokratie.

 Aristokratie: d. h. Herrschaft der edlen Geschlechter. Ihr Vorzug ist die Weisheit, Mäßigung, Klugheit, Ruhe in der Politik; in ihr regiert ein Rat; derselbe besteht aus den weisesten, reifsten, klügsten Männern eines Staates. Oft fehlt freilich die Energie, die die Regierung des Willens eines einzelnen in sich schließt; aber sie kann auch nicht so leicht zum Despotismus ausarten, dessen Prinzip die Furcht ist, eine Regierungsform, die die gegenwärtige Zeit nur schwer verträgt.

 Die andere Form ist die Demokratie. Ihr Prinzip wäre nach Montesquieu die Tugend. Das ist aber mehr Forderung als Thatbestand. Sie ist die schwierigste Verfassung, da es Selbstverleugnung gilt, die dem natürlichen Menschen nur schwer eingeht. Sie artet zu leicht aus, da sie eben keine auf natürlicher Basis beruhende politische Verfassung ist; deshalb tritt sie auch nur dann ein, wenn mit allen andern abgewirtschaftet ist.

 Es kann unter allen Verfassungsformen das Wohl des Volks gedeihen. Es kommt hauptsächlich auf den sittlichen Geist des Volkes und auf den der Männer an, die es regieren. Das Königtum hat unstreitig den Vorzug vor allen Verfassungsformen. Die Betonung der Volkssouveränität, wenn man darunter pure Massenherrschaft versteht, ist eine Entartung der Demokratie; herrschen können im Grunde immer nur wenige, die es verstehen, und ein Glück für ein Volk ist es, wenn es würdige Männer sind. Ein gewisses Maß politischer Freiheit ist wünschenswert, weil alles Gute eine Freiheit der Bewegung braucht.